Diario

  • Meine Top 10 des Jahres 2011

    Dic 31 2011, 11:06

    Dank Last.fm weiß ich ganz genau, welche Interpreten ich in diesem Jahr wie oft gehört habe. Die Ergebnisse meiner persönlichen Top 10 waren zum Teil überraschend, auf jeden Fall bin ich sehr zufrieden. Ich veröffentliche sie hier kommentiert, in der Hoffnung, dass der eine oder andere neue Anregungen aus meinem viele Genres umspannenden Musikgeschmack ziehen kann.

    Platz 10: Natalie Merchant

    Großartiger Bluegrass/Folk. Nachdem ich auf einer Party ihre Version von "I'm a Poor Wayfaring Stranger" gehört habe, habe ich mir gleich das dazu gehörige Album "The House Carpenter's Daughter" gekauft. In diesem Jahr habe ich mir das Doppelalbum "Leave Your Sleep" gekauft, 26 Lieder die sie für ihre Tochter geschrieben hat. Ein fantastisches Booklet, in dem sie die Herkunft der Texte erklärt.

    Platz 9: Deuter
    Angenehmes New-Age-Plingplong. Seit Jahren auf Platz 1 meiner Gesamt-Charts bei Last.fm. Für den Einstieg empfehle ich die Alben "Cicada" und "Celebration".

    Platz 8: Ewan Dobson
    Ein Gitarrenvirtuose, dessen Musik von Videospielen und Techno inspiriert wurde. Klingt wild? Ist es auch. Und schön. Hier ein Video: http://www.youtube.com/watch?v=eXqPYte8tvc

    Platz 7: Mesh
    Mesh ist Dauergast auf Platz 2 meiner Gesamt-Charts bei Last.fm. Schöner Futurepop mit Texten, die direkt aus dem Leben gegriffen sind. Mein persönlicher Gänsehaut-Favorit in diesem Jahr ist die Akustik-Version "So Important" vom Album "Fragmente 2".

    Platz 6: Morcheeba
    Das Genre Triphop ist in den 90ern komplett an mir vorbei gegangen, weil ich da zu sehr mit Metal, Punk und Apoptygma Berzerk beschäftigt war. Im letzten Jahr habe ich dann Morcheeba "entdeckt" und exzessiv gehört. Sehr entspannend und relaxed, trotzdem komplex und abwechslungsreich.

    Platz 5: Souleye
    SoulEye ist in diesem Jahr der Repräsentant meiner Liebe zum Bitpop - Musik, die direkt aus 8-Bit Konsolen oder Computern kommt. Der Künstler hat den Soundtrack "PPPPPP" zu dem Retro-Spiel "VVVVVV" gemacht. Das Spiel ist teuflisch schwer und actiongeladen - nichts für mein zartes Nervenkostüm. Der 35-minütige Soundtrack hingegen ist mitreißend, 8-bittig, melodisch und lief bei mir eine Zeitlang auf Dauerwiederholung. Hipster-geeignet ist er auch noch: Die CD kann man nur auf der Webseite bestellen (und probehören). http://www.souleye.se/pppppp

    Platz 4: Hungry Lucy
    Ein ätherisch-schönes Darkwave-Duo mit Triphop-Anleihen. Melancholisch, aber nicht traurig. Wer reinschnuppern möchte, kann sich unter http://www.archive.org/details/HungryLucy_BeforeWeStand eine EP herunterladen. Bei dem Akustik-Song "Fearful" bekomme ich immer Gänsehaut.

    Platz 3: INXS
    "Elegantly Wasted", "Suicide Blonde", "Devil Inside" - diese Rockband hat einen Haufen Hits produziert. Und auch die dazugehörigen Alben lassen sich gut hören.

    Platz 2: Wah!
    Ich liebe gesungene Mantren. Ich war in diesem Jahr nur auf einem Konzert und das war das von Snatam Kaur. Die Künstlerin "Wah!" hat auf den Alben "Love Holding Love" und "Maa" das alte Sanskrit-Material genommen und ihm einen sehr gut hörbaren, peppingen Lounge-Anstrich verpasst, und ein paar eigene englische Lieder beigesteuert. Wenn ich die Musik bei der Arbeit höre, kann es passieren, dass ich plötzlich mit geschlossenen Augen und schnippenden Fingern vom dem Rechner sitze. Besonders tanzbar/fingerschnippend: "Radhe Bhaj Soulshine". Wah! habe ich erst im November entdeckt und wenn das Jahr noch länger dauern würde, wäre sie wahrscheinlich auf Platz 1.

    Platz 1: Ashbury Heights
    Brutaler, melodischer Synthpop, mehr fällt mir zu dieser Band nicht ein. Besondere Empfehlung: "Eternity at an End" von dem Album "Three Cheers for the Newlydeads".
  • Neuerwerbungen

    Mag 6 2010, 21:57

    Wenn ich mir meine letzten CD-Anschaffungen so anschaue, dann sehe ich auch hier wieder den wilden Genremix den ich auch schon aus meinen sonstigen Charts kenne.

    Als erstes haben wir hier Tangerine Dream mit Exit. Was soll ich dazu sagen? Vielleicht soviel: Tangerine Dream ist das was Michael Garrison gerne sein wollte. diese wabernden Teppiche aus Synthesizerklängen erfreuen mein Geek-Herz." Exit" ist auf dem Höhepunkt des kalten Krieges entstanden und es gelingt ihm diese Stimmung einzufangen. Das Psychedelische der Siebziger in die Achtziger transzendiert.

    Als nächstes ist hier Qntal mit ihrem zweiten Album. Immer noch elektronische Musik aber ist es vorbei mit dem wabern, stattdessen wird es kakophonisch-harmonisch und darüber eine einschmeichelnd durchdringende Frauenstimme. Das finstere Mittelalter durch den Elektronenbeschleuniger gejagt.

    Als letztes noch der Künstler mit dem merkwürdigen Namen joasihno. Ein Solokünstler, der seine Musik wie aus Legosteinen baut. Zuerst ein kleiner Beat, dann ab in den Loop Generator, dann ein wenig Klavier, Gitarre, und zum Schluss Gesang. Die CD gibt leider nicht die Virtuosität wieder wie in dem Film auf seiner Homepage zu sehen ist. Der noch eine sehr angenehme instrumentale Hintergrundmusik.

    Und ganz nebenbei noch etwas Trash: Ice MC und Sandra, fürchterliches aus der Krabbelkiste des Pop der achtziger und neunziger, hier aber keine ganzen Alben, sondern nur die" Perlen ".

    Nicht nur mein CD Regal, sondern auch meine Softwaresammlung bekam Nachschub: diesen Text habe ich mit der Software MacSpeech Dictate diktiert. Ein abschließendes Urteil steht noch aus, zumal ich den Vorsatz habe noch etwas zu üben, aber bisher waren die Ergebnisse nicht wirklich ermutigend vermutlich hätte ich den Text schneller von Hand tippen können.
  • Hungrig, die dritte

    Mar 22 2010, 22:16

    Über Umwege erfuhr ich, dass Hungry Lucy ein neues Album released hat, Pulse of the Earth. Um der Homepage dann die Qual der Wahl - 5 EUR Download ode 15 EUR Limited Edition CD? Tja, als Freund physischer Medien kam für mich nur die CD in Frage. Beim aktuellen Dollarkurs ist das auch unter meinem üblichen CD-Kauf-Limit.

    Bevor ich auf musikalische Einzelheiten eingehe, will ich mich noch über das süperbe Einkaufserlebnis auslassen. Mit der CD zusammen erwirbt man nämlich auch gleichzeitig die Download-Version und hat so beides - die Befriedigung des "jetzt-sofort-haben-und-hören-wollen"-Bedürfnisses und den Datenträger mit Booklet. Die Dateien gibt es in nahezu allen vorstellbaren Formaten: MP3 mit und ohne VBR, FLAC, AAC, OGG ... der helle Wahnsinn! Und das Schönste: Die MP3s, für die ich mich entschieden habe, enthielten auch noch die kompletten Lyrics! Diese kleine Indie-Band macht vor, wie ich mir die Zukunft des Musik-Kaufens vorstelle. Ganz großes Lob!

    Nun aber zum musikalischen: Der Sound kommt mir irgendwie ... gereift vor. Und das meine ich im positiven Sinne. Es ist der "typische" Hungry Lucy Sound und es sind einige schöne Ohrwürmer und Gänsehaut-Songs (Hill) dabei. Keins der Lieder ist irgendwie langweilig, zu strange oder zu traurig. "Angenehm melancholisch, Klavier, Synthie und unaufdringlicher Drumcomputer, eine großartigen Frauenstimme, melancholisch, ätherisch, kunstvoll", so würde ich auch dieses Album von Hungry Lucy beschreiben.

    Weil das CD-Presswerk Mist gebaut hatte und die CD noch etwas auf sich warten lässt, haben Hungry Lucy jetzt noch einen Bonus-Track veröffentlicht: Future's Brighter (Instrumental Demo). Dieses wunderbare, 3:36 Minuten lange Instrumentalstück mit extremem Ohrwurmpotenzial hatte ich heute auf Dauerwiederholung - bestimmt nicht zum letzten Mal.

    Bevor ich mir das Album gekauft habe, waren da noch zwei Einzelstücke, die es mir besonders angetan haben:

    Der absolute Gänsehaut-Hammer ist die Cover-Version von Love Vigilantes (Live). Ein Antikriegs-Lied, das unter die Haut geht.

    Dass Hungry Lucy einen Track zum Album Where's Neil When You Need Him? begeistert haben, wundert mich nicht. Ich habe gestern einen Gaiman-Comic gelesen und dazu Hungry Lucy gehört - passt perfekt!
  • Musik kaufen

    Feb 15 2010, 14:34

    Ich bin ja ein großer Verfechter des Besitzes von Musik auf Silberscheiben. Auch wenn die nach dem Kauf nur einmal in den Computer eingelegt werden, damit die Musik dann mobil auf meinem wunderbaren iPod Touch zur Verfügung steht. Doch wie fällt die Entscheidung für Musik? Früher (damals, nach dem Krieg*) ging man noch in den Plattenladen der Wahl (25 Music in Hannover), durchstöberte die Regale, ging mit der Beute zum Tresen, um dann die Scheiben in gammeligen CD-Playern mit ekligen Kopfhörern vorzuhören. Hat mich einige Male vor Enttäuschungen bewahrt.

    Heute? Heute höre ich die 30-Sekunden-Schnippsel im iTunes Store. Wenn nur drei Lieder eines Albums gut sind, dann kauf ich sie als MP3. Wenn das Album als physisches Medium exorbitant teuer (mehr als 18 EUR) oder vergriffen ist, kauf ich es als MP3. Aber wenn es das Album für unter 12 EUR (plus 3 EUR Porto) bei Amazon gibt, dann schaffe ich es, mein Jetzt-sofort-haben-Wollen einige Tage/Wochen niederzuringen und bekomme einen soliden Datenträger. Letzte Erwerbung: The Oscillator. Geiler Hammond-Sound, der bei mir zu akutem Kopfwackeln, Fußwippen und Fingerschnalzen führt. Wer den Soundtrack zu "Ocean's 12" mochte, der wird wahrscheinlich auch diese Musik mögen. Ich jedenfalls denke immer an starbesetzte Gaunerkomödien, wenn ich "Jim's Semolina" höre.

    Heute, also ganz konkret am 15.02.2010, bin ich bei 25 Music vorbeigelaufen, wollte eigentlich nur nachschauen, ob sie noch mehr von The James Taylor Quartet haben - und habe ganz altmodisch Love 2 auf einem altersschwachen CD-Player ausgiebig probegehört (nimm das, 30-Sekunden-Schnipsel!) und gekauft. Die Hammond-Orgel klingt nun langsam aus, die schrägen Synthiesounds warten schon darauf, meine Ohren zu umschmeicheln und meine Lust an ausgefallenen Klängen zu kitzeln.

    *du weißt schon, einer der Kriege, die damals von den Amerikanern angezettelt wurden.
  • Konzertbericht: Eric Fish im Musikzentrum Hannover, 2009

    Feb 22 2009, 18:28

    Auch in diesem Jahr beglückte Eric Fish die Hannoveraner mit einem "Eric Fish & Friends" Konzert. Wobei das "Friends" schön mehrdeutig ist. Wer einmal auf einem Konzert war, weiß, dass diese Akustikkonzerte eine ganz besondere Atmosphäre haben: Kerzen auf der Bühne, sitzendes Publikum - alles ist freundschaftlich und familiär. Vermutlich sind aber mit den "Friends" nicht nur das Publikum gemeint, sondern auch seine vier Mit-Musiker, allesamt Könner ihres Fachs. Sie unterstützten Eric mit zwei Gitarren, Klavier, Mundharmonika und Cello und gaben auch schöne Solo-Nummern zum Besten, wenn der Rest der Band dringend eine rauchen musste. Trotzdem haben sie von 20:00 bis 0:30 Uhr wacker durchgehalten und mir so ein wirklich langes und intensives Konzert geschenkt.

    Die fünf Musiker haben jetzt auch ein schönes Logo - fünf kreisförmig angeordnete Fische - das auch am Merchandise-Stand erworben werden konnte. Dort habe ich mir aber lieber die beiden "Zugabe"-Alben gekauft, die hauptsächlich Cover-Versionen und Adaptionen enthalten. Die Band versteht es vorzüglich, die Seele von Songs einzufangen und ihr eigenes Ding draus zu machen: Das schon im letzten Jahr mich faszinierende "Scheissegal" ist eine sehr gelungene Übersetzung von "The Great Song Of Indifference". Noch mehr begeistert und vor allem auch berührt hat mich die deutsche Version von Green Fields of France (zu finden als Bonus-Track auf dem ersten Zugabe-Album).

    Sein eigenes Ding zu machen, gegen Ungerechtigkeit aufzustehen, Liebe, Beziehungen, Alltag - all das steckt in den Liedern, nicht nur textlich sondern auch musikalisch zwischen den Zeilen. Ich hatte noch nie so oft bei einem Konzert eine Gänsehaut! Doch es gab nicht nur schwermütiges, nein, Eric Fish weiß auch, wie er Leute tanzen und feiern lassen kann, mit Lieder wie "Prinzessin auf der Erbse" und natürlich den beiden Songs mit "dem großen Dei" und "dem kleinen Dei". Die sangen wir dann auch aus voller Kehle, um die Musiker zu einer Zugabe herauszulocken. Der Fokus des Abends lag allerdings auf der schwermütigen Seite. Vielleicht nicht ganz grundlos: Eric ließ durchblicken, dass es derzeit schwere Zeiten in seinem Leben gibt.

    Licht und Ton im Musikzentrum haben sich gegenüber dem letzten Jahr geringfügig verbessert: Die Scheinwerfer blendeten jetzt nur noch die Hälfte der Zeit. Brummen der Soundanlage konnte ich nicht feststellen. Allerdings war es für mich stellenweise einen Tick zu laut, trotz Akustikkonzert. Für meine Begeleiterin mit etwas empfindlicheren Ohren war es definitiv zu laut!

    Danke an die Band und alle die mitgeholfen haben, wir sehen uns hoffentlich in einem Jahr wieder!

    Thu 19 Feb – Der Dreh zum Film-Tour 2009
  • Konzertbericht: Christmas Ball im Capitol Hannover

    Dic 27 2008, 12:41

    Für die Tanzmäuse, die während der stillen und besinnlichen Weihnachtsfeiertage ganz kirre geworden sind, gab es am 2. Weihnachtsfeiertag 2008 in Hannover eine gute Gelegenheit, die aufgestaute Energie wegzuhibbeln: Den Christmas Ball.

    Bevor ich Worte zu den einzelnen Bands verliere, stelle ich erst mal die Bewertungskriterien vor: Musik, Show und Erlebnis. Der Abend hat mir wieder einen Tatsache vor Augen geführt, die ich erstaunlich oft vergesse: Dass Elektrobands aus der heimischen Stereoanlage und Elektrobands auf einer Bühne zwei komplett verschiedene paar Schuhe sind. Das musikalische Live-Erlebnis ist einfach nur schlecht: Die Melodien sind noch noch vage zu erkennen, das Ganze ist manchmal zu laut, was Ohrstöpsel erfordert, die das Erlebnis noch weiter verschlechtern. CD-Qualität ist das nicht, eher "leiernder Walkman in überfüllter U-bahn, die ratternd durch Tunnel fährt"-Qualität. Was macht den Auftritt dennoch zu einem Erlebnis? Die Virtuosität der Musiker definitiv nicht, denn es gibt viel Playback. Deshalb müssen die Musiker um so mehr Show machen. Verausgabt hat sich an diesem Abend alle Bands - keinem einziger Sänger war es erspart, völlig schweißgebadet und in leicht ramponiertem Outfit die Bühne zu verlassen. Neben der Show ist es natürlich noch reizvoll, sich von den hämmernden Beats ordentlich durchpusten zu lassen und zusammen mit den anderen Fans ordentlich die Glieder zu schütteln.

    S.P.O.C.K kannte ich schon, hatte sie aber noch nie live gesehen. Musikalisch boten sie das, was ich erwartet hatte: Soliden Elektropop mit minimalistisch-humorvollen SciFi-Texten. Die Qualität der Musik war in Ordnung, die Lautstärke für unverstöpselte Ohren angenehm. Die "Show" bestand hauptsächlich aus den Kostümen der Bandmitglieder: Die inzwischen reichlich albern anmutende Original Star Trek Uniform für den wild herumhopsenden Sänger Hofman, Raumanzüge für die Keyboarder. So richtig aufwärmen konnten sie das Publikum nicht, es gab nur hie und da eine vereinzelte Tänzerin im Publikum und auch ich selbst war zu mehr als Kopfnicken und Fußwippen nicht zu bewegen. Besonderer Gag allerdings war die sehr große "Strahlenkanone", mit der Sänger Hofman Wodka auf die Aliens im Publikum verschoss.

    Von Absolute Body Control hatte ich zuvor nur die Hörbeispiele auf ihrer MySpace-Seite gehört. Wer wie ich den Sound von Bands wie Depeche Mode, Camouflage und Ultravox mag, wird auch Absolute Body Control mögen. Einziges Problem der Band ist, dass in meinen Augen der "Sound" im Vordergrund steht, eindeutige, eingängige "Lieder" gibt es eher wenig, alles hört sich sehr ähnlich an. Das ist super, wenn man für's Programmieren ein wenig unaufdringliche Hintergrundmusik braucht. Das ist doof, wenn man ein Publikum begeistern soll. Am Klang selbst gab es wenig auszusetzen: Klar und nicht zu laut. Die Show allerdings bestand aus Mikrofon umklammern, Mikrofonständer schwingen und auf der Bühne rumlaufen. Egal, ich habe mir die CD gekauft, sie signieren lassen und bin hochzufrieden. Denn die Musik genießen konnte ich auch ohne die Show und ohne wildes Getanze.

    Für Funker Vogt habe ich mich vom zuvor eingenommenen sicheren Ausguck auf der Tribüne ins Getümmel nah an der Bühne gestürzt. Musikalisch war Funker Vogt nicht so berauschend: Zu laut, Melodien oft schwer zu erkennen, die Gitarre oft nicht zu hören oder zu dominant. Das hat der harte Beat, der einen zum Tanzen gezwungen hat, mehr als wett gemacht und mir und vielen anderen viel Spaß gebracht. Die Show war Funker Vogt-typisch: Martialisch. Uniformen, Warnlampen, Tarnnetze, schwarz-orange Warnfarben - die Jungs wirken immer, als wären sie Zeitreisende aus einem futuristischen Hightech-Krieg. Die Show ist Ausdruck ihrer Musik mit ihren Texten von Krieg und Zerstörung und das macht Funker Vogt für mich immer zu einem sehr ausgelassenen und intensiven Live-Erlebnis. Wobei ich mich ständig frage, wo in meiner zarten Pazifistenseele so viel Faszination für kriegerisch-brutales ist. Nun ja, "Erfolgreich und glücklich leben heißt, die inneren Wiedersprüche der Persönlichkeit zu sehen und unbeeindruckt bis fasziniert in ihrem Spannungsfeld zu stehen" ist seit einiger Zeit mein Lebensmotto, das mir auch bei dieser Frage helfen wird.

    Covenant höre ich zu Hause wegen der der ausgefeilten elektronischen Klänge, deshalb war das Live-Konzert in dieser Beziehung eine herbe Enttäuschung. Wie eingangs erwähnt, liegt das eigentliche Live-Erlebnis aber woanders: Show und Tanzen. Die Show von Covenant, das bedeutet für mich, der ich sie nun zum zweiten Mal live sehe, drei Musiker mit Anzug und Krawatte, die in einem Meer aus Kunstnebel von vielen Scheinwerfern effektvoll und musikalisch passend ausgeleuchtet werden. Das ist sehr eindrucksvoll und verstärkt die Musik durch visuelle Reize. Für die kinästhetischen Reize muss das Publikum selbst sorgen, aber die Musik macht es sehr leicht, Schwung in die müden Zellen zu bringen. Das habe ich dann auch getan und trotz fortschreitender Müdigkeit und Fußlahmheit bis zur 2. Zugabe um 0:45 durchgehalten.

    Hat es mir Spaß gemacht, wurde ich gut unterhalten? Ja, zweifelsohne, es war ein toller Abend. War mir die Unterhaltung 28 EUR wert? Nein, gefühlt war es eher Unterhaltung im Wert von ca. 20 EUR.
  • Konzertbericht: Schandmaul im Capitol

    Nov 25 2008, 23:34

    Eigentlich hasse ich den Klang von Trompeten. Ich muss dabei immer an Stefan Mross und andere angepasste Bübchen denken. Die fünf Musiker von LaBrassBanda, der Vorband von Schandmaul, konnte mir meine Abneigung gegen diese Instrument ganz hervorragend austreiben. Was diese bayrischen Buam spielen ist so quicklebendig, ungewöhnlich und zum Kopfnicken-und-Tanzen animierend, dass ich das flinke Fingerspiel des Trompeters wirklich genossen habe. Die CD "Habediehre" kommt auf meine Amazon-Wunschliste.

    Das Publikum war genau so angetan wie ich: wildes Winken und Jubeln, Mitjodeln und die Aufforderung an die Musiker, sich auszuziehen. Bei den T-Shirts kamen sie ihr noch nach, aber als echte Bayern wollten sie sich nicht von ihrer Lederhose trennen.

    Nachdem das Publikum von Posaune, Tuba, Trompete, Bass und Schlagzeug auf Touren gebracht worden war, gab es eine kurze Umbaupause. Und dann traten Schandmaul auf.

    Wie schaffen es die Schandmäuler immer wieder, mich völlig aus dem Häuschen zu bringen? Sind es die einfachen Texte und Melodien, die das Publikum zum Mitsingen animieren, was eine einzigartige Stimmung erzeugt? Ist es, die Tatsache, dass sie es schaffen, "alten" Liedern mit veränderter Spielweise und Instrumentierung neues und interessantes Leben einzuhauchen? "Teufelsweib" war so ein Song. Sind es die Anmut und der Elan, mit der Birgit und Anna über die Bühne hüpfen und tanzen und dabei trotzdem noch Flöte und Geige spielen können? Ist es die Romantik, die mein Lieblingslied "Dein Anblick" und das Lied "Willst du" verströmen? Ist es die pure Lebensfreude und die Aufforderung, das Leben jetzt, in diesem Moment, zu genießen, die in Liedern wie "Leb!" zum Ausdruck kommt? Diese ganzen Gründe und Ursachen intellektuell oder gefühlsmäßig auseinanderzufieseln habe ich mir nicht die Mühe gemacht, statt dessen habe ich mich genussvoll und erfolgreich von Schandmaul zwei Stunden lang in die Anderswelt entführen lassen. Die beeindruckende Lichtshow, die perfekt auf die Lieder abgestimmt war, hat zu meinem Genuss beigetragen. Geschmälert wurde der Genuss nur vom Sound im Capitol: Die Lautstärke war einigermaßen erträglich, aber die Abmischung (Gesang zu leise, Gitarren zu laut und dominant) fand nicht so sehr meinen Beifall.

    Meine Vorsätze fürs nächste Mal:
    • CDs so lange hören, bis ich alles auswendig mitsingen kann.

    • Wieder aufs Parkett gehen. Die Aussicht auf dem Balkon war zwar fantastisch, aber Schandmaul sollte man mit einem Bad in der begeisterten Menge genießen. Dann muss man sich bei "Walpurgisnacht" auch keine Gedanken machen, dass die hüpfende Meute den Saal zum Einsturz bringt.

    • Mit Begleitung zum Konzert gehen. Als Single allein zwischen lauter Paaren zu sein, macht einen etwas wehmütig.



    Dienstag, 25 November 2008 – Schandmaul
  • Hungrig, die zweite

    Set 5 2008, 13:42

    Begeistert durch die im letzten Beitrag erwähnte EP von Hungry Lucy, habe ich die Homepage besucht und habe mir das Supersonderpreispaket mit allen drei CDs (Apparitions, Glo und To Kill A King) von Hungry Lucy geholt - der niedrige Dollar macht's möglich. Ich habe die CDs im Laufe dieser Woche gehört und bin sehr angetan. Von Release zu Release wird die Musik besser. Trotzdem finde ich die Live & Unplugged-Version von Fearful das beste Stück von diesem dynamischen Duo.
  • Hungrig

    Ago 24 2008, 16:29

    Das im letzten Blogeintrag erwähnte positive Lebensgefühl ist noch da, aber wird heute von ausgeprägter Depristimmung überlagert, die ich in vage ursächlichem Zusammenhang mit meinem nun schon ziemlich lange andauernden Single-Status in Verbindung bringe.

    Was gibt es in einer solchen Stimmung schöneres, als sich mit düster-melancholischer Musik noch weiter runterziehen zu lassen? Heute ist mir dabei Hungry Lucy behilflich, genauer gesagt die kostenlos zum Download verfügbare EP "Before We Stand ... We Crawl". Nicht das, was ich als Trip-Hop bezeichnen würde (keine Ahnung, wie ich die Musikrichtung nennen würde), aber auf jeden Fall stimmungsangenmessen, mit wunderschöner Frauenstimme und angenehmer Instrumentierung (Darkwaviges Synthie-Wabern, Klavier, dezenter Rythmus).
  • Merkwürdiger Fund

    Ago 22 2008, 10:40

    Ich durchstöberte gerade meine Maxi-CDs auf der Suche nach dem Titelsong von "Mission Impossible". Den habe ich zwar nicht gefunden, aber dafür eine andere CD: Danke, gut. Und das, obwohl ich doch keinen mag. Aber beim Probehören habe ich mich dran erinnert, was mich vor 9 Jahren geritten hat, die Maxi zu kaufen: Der Refrain.

    "Es geht mir gut, es geht mir sehr, sehr gut.
    Ich will nix anderes machen, als das hier und zwar in
    Bestform und erfüll` mal wieder mit links die Testnorm."

    Wenn das mal nicht mein positives Lebensgefühl trifft, auch heute noch!