RSS
  • DB Bahn Mobil 01/2011: Xavier Naidoo "Singen, glauben, machen"

    Gen 18 2011, 19:49



    Gerade erschien sein Live-Album „Alles kann besser werden“, schon folgen Streich zwei und drei. mobil besuchte den Soul-Musiker Xavier Naidoo in Mannheim. Sehen Sie in unserem Musikvideo einen Vorgeschmack auf seine Tournee.

    Xavier Naidoo ist Deutschlands populärster Soul-Sänger. Bereits sein erstes Album von 1998, „Nicht von dieser Welt“, verkaufte sich eine Million Mal. Er tritt solo auf, ist Teil der Söhne Mannheims, daneben Mitinitiator und Dozent der Mannheimer Popakademie. Er gewann Echos, Cometen, MTV Awards, ist Träger der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg und hat eine Kinderstiftung gegründet. Erst vor Kurzem war der 39-Jährige bei den deutschen Truppen in Afghanistan, um Danke dafür zu sagen, dass sie ihren Kopf hinhalten für einen Krieg, den keiner will. Xavier Naidoo mag keine Verehrungsgesten, er findet, dass nur seine Musik von Belang ist und dass man, wenn überhaupt, nur einem huldigen sollte: Gott. Dass er das auch gern besingt, hat ihm Beinamen wie „Pumpgun Gottes“ oder „PR-Agent des Herrn“ eingetragen.

    Im Februar wird er mit Sasha, Rea Garvey von Reamonn und Michael Mittermeier als „Rat Pack“ Sinatra und Co. auf der Tour „Alive and Swingin’“ neu interpretieren. Parallel gibt es das Projekt „Wir beaten mehr“ mit Künstlern wie Max Herre und Jan Delay. Kann der Mann denn nur im Team arbeiten? „Ja, ich mag das. Ich schaffe mir Ersatzfamilien, und deshalb ist diese Firma auch mit Leben gefüllt. Heute ist zum Beispiel meine Mutter hier und kocht für alle – das macht sie zweimal die Woche.“



    Xavier Naidoo schafft das, was die wenigsten können. Er ruht in sich selbst. Vielleicht ja auch deshalb die Häme. Denn mit Häme hat Xavier Naidoo wahrlich genug zu tun gehabt in seinem Leben. Man lästerte über ihn, weil er im englisch fixierten Pop-Business partout deutsch singen wollte – und dann auch noch diesen Bibelkram! Man belächelte seine Liebe zu Mannheim. Kein anderer deutscher Künstler polarisiert so wie der Sohn eines Inders und einer Südafrikanerin mit irischen und deutschen Wurzeln. Die einen lieben ihn für seine Musik und seine Haltung. Die anderen halten ihn für einen Spinner, weil sie in ihm den Missionierer sehen, der oft übers Ziel hinausschießt und dann – ha! – eben doch nicht die ganze Welt rettet. Womit man ihn überhaupt in Rage bringen kann? „Wenn man mich als religiös bezeichnet. Ich liebe Gott. Aber ich brauche dafür kein Gebäude, keine Religion!“ Tatsächlich ist er nur noch Katholik, um sich damit das Recht zu erkaufen, gegen den Vatikan zu wettern.
    Wem auch das schon wieder zu viel Sendungsbewusstsein ist, der sei getröstet: Sehr wahrscheinlich wird uns Xavier Naidoo mit den gängigen Bekenntnisbüchern über seine eigenwillige Karriere verschonen, obwohl der Titel „Dieser Weg“ natürlich perfekt wäre. Er wird einfach weiterhin das tun, was er kann und will: singen, glauben, machen – und wenn er zwischendurch mal drei, vier Tage am Stück Zeit hat, mit dem Wohnmobil nach Dänemark fahren. Man kann kein guter Soul-Sänger sein ohne Seele. So ist das eben.

    Quelle: mobil ONLINE
    mobil ONLINE: Xavier Naidoo Singen, galuben, machen
  • Ina Müller über das Beste am Norden

    Ott 2 2010, 15:03

    Ina Müller über das Beste am Norden
    Sie ist, was man in Norddeutschland eine "Seute Deern" nennt. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Köhlen bei Cuxhaven, erklärt die Sängerin, Kabarettistin, Buchautorin und Fernsehmoderatorin Ina Müller, was den Norden so besonders macht. Ina Müller schnackt über:

    Das Leben in einer norddeutschen Großfamilie
    Ina Müller bei einer Drehpause an der Wilhelmshavener Promenade.
    Das war extrem klassisch: Mama, Papa, fünf Töchter, Oma, Opa - alle auf einem Hof. Kühe, die gemolken werden mussten und Kinder, die mitgeholfen haben bei der Arbeit. Kinder, die alle lieber bei Tante Käthe und Onkel Klaus gewohnt hätten, die damals beide Lehrer waren. Man wollte am liebsten Einzelkind sein, adoptiert werden und weg von diesem Bauernhof. Aber der Hof hat uns alle ein wenig stärker gemacht, stärker fürs Leben. Es war zwar alles sehr lustig - aber es ist alles viel weniger romantisch, als man immer meint. Der Norden ist schon ziemlich hart und klar und weniger verspielt und romantisch.


    Die Kindheit auf einem Bauernhof im Norden
    Das Schönste war eindeutig die frische Luft! Klar, es war ganz schlimm, wenn wir morgens um fünf mit dem Trecker raus auf die Weise zum Melken mussten. Aber es roch dort immer so toll. So, wie es nie wieder in meinem Leben gerochen hat. Überhaupt: Ich habe mich immer gefreut, dass wir keine Schweinezucht hatten - ich mag ja unheimlich gern diesen Kuhstallgeruch. Überhaupt mochte ich diese verschiedenen Kackgerüche - Kälber, Kühe, Bullen, Hühner und ein bisschen Schwein. Das war ein toller Mixgeruch.

    Männer im Norden
    Ina trifft die schwimmende Kampfmaschine Oberleutnant zur See Jens Höhner in Eckernförde.
    Der typische Nordmann steht steif im Wind, guckt nach vorne, ist geerdet und hat ein gutes Verhältnis zu Schnaps. Was ich an ihm mag? Diese Mischung aus Dialekt, Bodenständigkeit und drögem Humor. Außerdem schafft es der Nordmann, mit drei Worten zu sagen, wofür der Rheinländer 28 Sätze braucht. Ich finde es schon eigenartig, wenn Männer zu viel sabbeln. Ich glaube, wenn der Opa schon den ganzen Tag über nur "Moin" gesagt hat und der Vater im gleichen Zeitraum gerade mal auf ein "Moin, Moin" kommt, dass der Sohn dann später ähnlich gestrickt ist. Wer dagegen mit sabbelnden Vätern und Großvätern groß wird, der sabbelt später auch. Das nennt man wohl Mentalität. Toll am Nordmann finde ich auch, dass er mit dem Alter immer lustiger wird. Ja, der alte norddeutsche Mann hat einen guten Humor.


    Schmuddelwetter im Norden
    Ich finde richtig schlechtes Wetter wunderbar! Wenn man sich so gemütlich einmummeln kann. Ich fahre ja auch im tiefsten Winter auf die Nordseeinseln. Und wenn ich dann richtig dick angezogen bin, gehe ich raus an den Strand und stelle mich gegen den Wind. Wunderbar! Ich habe ja lange auf Sylt gelebt, und ich bin wirklich immer im Wasser gewesen, auch wenn wir nie einen richtigen Sommer hatten. Ich mag auch Regen und windiges Pisswetter. Auf pralle Sonne und Bollerhitze stehe ich nicht so wirklich.

    Ihre Lieblingsstadt Hamburg
    Mit einem Nicht-Hamburger muss man nur drei Sachen machen: eine Bustour im Doppeldecker durch Hamburg, dann eine Hafenrundfahrt, und schließlich geht man hoch auf den Michel. Das ist schon die erste Lockmaßnahme. Und dann ist da dieses riesige kulturelle Angebot. Mittlerweile stehen wir Berlin in kaum noch etwas nach: Wir haben bald eine Philharmonie, wir hatten einen schwulen Bürgermeister - wir haben das geilere Wetter und die schönere Stadt!

    Das Nordsee-Watt
    Ich finde das Watt komplett überschätzt! Wir haben ja nicht weit von der Küste entfernt gewohnt - in 20 Minuten waren wir an der Nordsee. Und da konnte man durchs Watt rüber nach Neuwerk wandern oder mit der Kutsche rüberfahren. Für die Verwandtschaft war das immer der Burner. Ob mit oder ohne Kutsche - für mich war das nichts. Die Füße in Matsch zu schlicken, ohne zu wissen, ob da etwas rumkriecht, das dir in den Zeh beißen könnte, ohne eine Ahnung davon zu haben, ob du im nächsten Moment auf eine Leiche trittst - das finde ich gruselig. Und immer diese Angst, nicht wieder rauszukommen, wenn man bis über die Knöchel weggesackt ist. Dass dieser Sog zwischen Matsch und Fuß dich rein physikalisch nicht wieder rauslässt. Nee, das ist nichts für mich. Watt ist Kontrollverlust.

    Der Glauben im Norden
    Ina Müller umringt von Novizinnen des Franziskanerinnen-Klosters Thuine im Emsland.
    Der wichtigste Unterschied zwischen Nord- und Süddeutschen: Der Norddeutsche ist nicht katholisch. Der Süddeutsche ist also spirituell und strenggläubig erzogen und muss deshalb ständig in die Kirche rennen. Wir Protestanten gehen in die Kirche, weil wir Bock haben, und nicht weil wir es müssen.


    Plattschnacken
    Der Zauber am Plattdeutschen ist, dass es nicht so grob und abgehackt klingt wie das Hochdeutsche. Die scharfen "s" sind durch schöne "t"s ersetzt. Die Sprache ist so wohlklingend. Außerdem ist es schön, auf Platt zu singen, weil es so reimbar ist. Fast englisch. Ich singe jedenfalls lieber auf Platt als auf Hochdeutsch.

    Das Lustigsein im Norden
    Leben und glücklich sein kann man überall - Hauptsache kein Karneval! Das hat der Norddeutsche halt nie über sich ergehen lassen müssen, dass ihm Schlipse abgeschnitten werden, dass er mit Blutwürsten beworfen wird und dass er zu einer bestimmten Uhrzeit lustig sein muss. Trotzdem ist der Norddeutsche gern lustig.

    Spazierengehen an der Nordsee
    Für ein Erinnerungsfoto kommt Ina ein Strandadonis bedrohlich nah.
    Allein dieses regelmäßige Rauschen des Meeres macht einen Spaziergang an der Nordsee zu einem herrlich meditativen Erlebnis. Und dann diese extrem frische Luft, die ja geradezu high macht! So viel Sauerstoff kriegt man im Schwarzwald doch gar nicht. An der Nordsee ist die Luft auch schön schwer, sie ist ein Aerosol und gut für die Raucherlunge und das Gemüt. Und dann diese endlose Weite... Ich habe nichts dagegen, auch mal im Wald spazieren zu gehen, aber ich habe eine enorme Zeckenangst. Deshalb bin ich ganz froh, dass die Küste übersichtlich ist, dass sie nicht mit Büschen und Bäumen vollsteht. An der Küste kannst du auch nirgendwo runterfallen. Du kannst zwar abstürzen, das tust du aber meist nur bei Ellie im Pub.


    Das Essen im Norden
    Mein Klassiker der norddeutschen Küche ist Swattsuer, also Schwarzsauer. Diese Blutsuppe gab's immer, wenn bei uns auf dem Hof mal wieder Schwein geschlachtet wurde: Sie bestand aus Blut, das mit Mehl, Salz, Nelken, Zwiebeln, Lorbeer, Pfeffer und Essig aufgekocht wurde. Mit zwölf Jahren habe ich zum letzten Mal Swattsuer gegessen. Und wenn ich darüber nachdenke, wird mir ganz anders.

    Das Interview ist entnommen aus:

    Das Beste am Norden
    Verlag edel / Moewig
    Preis: 17,95 Euro
    ISBN: 978-3-86803-446-2

    Autorin/Autor: Andreas Ahlers

    Das Erste.de - Inas Nacht
  • Warum die kurzen Haare, Ina Müller?

    Set 10 2010, 15:29

    Das Haar ist ab, der Lack nicht. Heute (10.09.) kommt Ina Müller (45) zurück ins TV („Inas Nacht“ , ARD, 23.30 Uhr) – noch mit Markenzeichen Silberhaar. Obwohl die Locken mittlerweile in einer Plastiktüte stecken.

    BILD: Warum die kurzen Haare?
    Ina Müller: „Wenn man zehn Jahre lang immer diesen Pferdeschwanz hatte und ich sie eh nie offen trage, weil es überall klebt und die Strähnen im Gesicht hängen, dann denke ich mir: So, dann mal ab damit! Mit 60 will ich zum Beispiel keine kurzen Haare haben.”
    BILD: Die Fans liebten's aber...
    Müller: „Ich weiß. Aber ich musste da die ganzen Jahre immer mit einem Plätteisen durch und dann noch aufdrehen wenn Fernsehen war. Und das nervte dann doch irgendwie. Die Idee gab's schon länger. Und dann war meine Schwester in Hamburg. Meine Frisöre hier in Hamburg haben gesagt, das machen wir nicht.”
    BILD: Haar-ab-Verbot also?
    Müller: „Die hatten Schiss. Und ich hatte ja irgendwie auch Schiss. Meine Schwester hatte jedenfalls keinen Schiss, im Gegenteil. Die kann gut kurze Haare schneiden.”
    BILD: Früher Silber, heute Gold am Kopf?
    Müller: „Silber ging nicht. Wenn ich ungeschminkt mit diesen kurzen grauen Haaren morgens zum Bäcker ging, dann war das nicht motivierend.”
    BILD: Wie reagieren die Leute?
    Müller: „Jetzt spaltet es sich in zwei Lager. Die einen sagen, die schönen langen Haare. Die jungen Männer finden das ganz toll. Die Szene – sag ich mal. Die Älteren wollen den Pferdeschwanz zurück. Obwohl: Meine Shanty-Jungs sind schier ausgeflippt – die sind begeistert!“
    BILD: Und wie finden Sie es selbst?
    Müller: „Toll! Allerdings stehe ich vorm Kleiderschrank und muss mich umstellen. Da passt doch einiges nicht zur Frisur. Der Romantik-Look ist ein wenig weg. Ich bin noch in der Findungsphase, liebe nach wie vor Schwarz. Und da kriege ich im Fernsehen immer Mecker. Die sagen oft: ,Würden Sie sich bitte ein wenig frisch anziehen?!'”
    BILD: Wann waren die Haare zuletzt so kurz?
    Müller: „Mit Mitte zwanzig auf Sylt. Dann habe ich sie wachsen lassen. Aber das war ne schwierige Phase, wenn man durch die Prinz-Eisenherz-Länge muss. Keine Ahnung, ob ich es wieder wachsen lasse. Mit meiner Visagistin und meinem Friseur werde ich das mal besprechen. Wir sind das H-Team – das Haar-Team.”
    BILD: Und die Vorteile?
    Müller: „Ich spare am Tag 45 Minuten. Das ist ein ganzer Tag pro Monat, toll! Am ersten Tag war das schon lustig mit den kurzen Haaren. Wir sind mit der Familie aufs Schiff und der Wind pfiff so schön durch die neue, kurze Pudelkrause und es war ganz anders. Der Kapitän rief dann: ,Lass dir mal wieder die Haare wachsen, sieht scheiße aus...' Ja, so sind se!“
    BILD: Wo sind die Haare?
    Müller: „Zu Hause. Die sind in einer Tüte und sehen nicht so toll aus wie ich dachte. Ein bisschen wie ein totes Meerschweinchen. Mein erster Auftritt mit den kurzen Haaren war übrigens bei MTV. Da hab' ich erzählt, dass ich Läuse hatte. Da war Totenstille. Alle guckten ganz betroffen. Den Spruch habe ich lange nicht gehört. Eigentlich wollte ich mir für jede Sendung ne neue Geschichte überlegen, hab aber jetzt keine Lust mehr.“
    BILD: Wann sind die neuen Haare im TV?
    Müller: „Acht Sendungen sind fertig. In den letzten vier Sendungen sind sie kurz.”
    BILD: Auf wen haben Sie sich am meisten gefreut?
    Müller: „Auf Beth Ditto! Als die aus der Kneipe raus war, fiel ich wie ein Trauerkloß aus Hefe zusammen. Beim Testgucken habe ich Tränen bei der Sendung mit Gunter Gabriel und Florian David Fitz gelacht. Gabriel ist einfach zu gut für diese Welt. Die letzte ehrliche Haut Deutschlands – Wahnsinn.”
    BILD: Wie müssen Männerhaare sein?
    Müller: „Seitlich rundum kürzer und oben fluffig. So wie der Schweighöfer – a bissl britisch aus irgendeiner Epoche, die schon lange zurückliegt. Das mag ich gern. Ich mag es überhaupt gern, wenn Männer Haare haben.”
    BILD: Stichwort Styling: Was müssen Sie jetzt alles neu kaufen?
    Müller: „Haargel und so Sachen. Schwierig, da das richtige zu finden. Es muss gut riechen und darf die Haare nicht so bretthart machen. Einen Hahnenkamm wird's wohl nicht geben. Ich bin ein Rosettenmeerschweinchen auf dem Kopf. Überall Wirbel. Da wird aus dem Kamm dann schnell 'ne Wurst.“

    Bild: Interview mit Ina Müller
  • Spiegel Online Kultur: Grimme-Star Ina Müller

    Mar 28 2010, 19:21



    Sie ist die lauteste Geheimwaffe der ARD: Für ihre Late Night Show "Inas Nacht" bekommt Ina Müller den Grimme-Preis. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt die Moderatorin und Sängerin, warum Gäste in ihrer Sendung rauchen dürfen, was die Arschlochliste ist - und warum sie die Primetime fürchtet.

    SPIEGEL ONLINE: Frau Müller, Gratulation zum Grimme-Preis für Ihre Late Night Show "Inas Nacht". Wurde ja auch Zeit, oder?

    Ina Müller: Finde ich auch. Vor zwei Jahren war "Bauer sucht Frau" nominiert, wir aber nicht. Da war ich schon ein bisschen enttäuscht. Da dachte ich: Jetzt geht es mit dem Grimme-Preis bergab. Wir haben bei der Konzeption von "Inas Nacht" immer schon im Hinterkopf gehabt, dass wir die Sendung für den Grimme-Preis entwickeln - aus Spaß und Ansporn.
    SPIEGEL ONLINE: Muss es nicht nach hinten losgehen, wenn man eine Sendung auf einen Preis hin konzipiert?

    Müller: Sie sehen ja, bei uns nicht. Den Grimme-Preis im Hinterkopf zu haben, hieß für uns auch, nur zwölf Sendungen im Jahr zu machen und Leute einzuladen, die noch nicht überall zu sehen waren.

    SPIEGEL ONLINE: Besonders fällt das bei der Auswahl der Musiker auf, die bei Ihnen auftreten - kluge deutschsprachige Songwriter von Niels Frevert bis Jochen Distelmeyer. Leute also, von denen der NDR-Unterhaltungschef möglicherweise noch nie etwas gehört hat

    Müller: Da unterschätzen Sie mal nicht Thomas Schreiber und den NDR! Es gibt sicherlich viele Dinge, für die man den Sender kritisieren kann, aber uns hat er freie Hand gelassen. Schreiber hat uns geradezu angespornt, in der Sendung Anarchie walten zu lassen. Zum Beispiel das Rauchen vor laufender Kamera: Eine Redakteurin bat, ob wir das nicht lieber sein lassen könnten, weil sie kein Personal hätten, die Beschwerdebriefe zu bearbeiten. Aber Schreiber hat uns machen lassen: "Raucht ruhig, sauft ruhig." Der wedelte am nächsten Tag auch nicht mit den Quoten.

    SPIEGEL ONLINE: Was doch aber auch daran lag, dass man bei einem Sendetermin nach null Uhr sowieso unterm Radar fliegt - weil da Quoten kaum noch messbar sind.

    Müller: Ja, die späte Sendezeit ist sicherlich hilfreich gewesen. Ein Idiot, wer da die Quoten ernst nimmt. Deshalb fühle ich mich in dieser Nische ja auch so sicher. Wobei die ARD schon wirklich sehr nachlässig mit uns umgegangen ist. Wir fahren einen Preis nach dem anderen für die ein, und die versenden uns irgendwann nach Mitternacht - und das dann auch noch an verschiedenen Tagen. Das war schon sehr bitter. Umso glücklicher bin ich jetzt, dass wir für die nächste Staffel von September bis Dezember immer den Platz am Donnerstag nach Harald Schmidt haben werden.

    SPIEGEL ONLINE: Schon mal daran gedacht, noch weiter nach vorne zu rücken, in die Primetime gar?

    Müller: Da bin ich zugegebenermaßen ein bisschen feige. Es gibt immer wieder Anfragen und Überlegungen, etwas für 20.15 Uhr zu machen. Aber ich merke dann, dass das immer mit unheimlich vielen Verpflichtungen und Vorgaben verknüpft ist.

    SPIEGEL ONLINE: Einen Versuch mit einer großen Primetime-Show haben Sie schon gewagt: die Gala zum 100. Geburtstag von Heinz Erhardt. Zur einen Hälfte war das entfesselte Ina-Müller-Unterhaltung, aber zur anderen öffentlich-rechtliches Bestattungsfernsehen…

    Müller: Immer nur feige geht nicht. Man muss auch mal etwas wagen, und deshalb habe ich das moderiert. Da gab es am Anfang viel zu diskutieren. Zum Beispiel sollten wir auf der Couch mit dem Rücken zum Publikum platziert werden, um uns dann gemeinsam die Heinz-Erhardt-Einspieler anzugucken. Ich mit dem Rücken zum Publikum? Das geht gar nicht. Womöglich hör ich dann von hinten den Anklatscher, der das Publikum animieren soll, da krieg ich Herpes! Aber ich weiß auch gar nicht, ob ich für 20.15 Uhr gemacht bin. Will man da wirklich so 'ne flapsige Person wie mich sitzen haben, die den anderen ins Wort fällt und alle Lieder mitsingen will?

    SPIEGEL ONLINE: Unbedingt! Es war doch schon erschreckend, dass im letzten Jahr auf einmal eine Moderatorenkrise herrschte, nur weil Jörg Pilawa von der ARD zum ZDF wechselt. Gibt es wirklich keinen Nachwuchs?

    Müller: Nehmen Sie Leute wie Hirschhausen, Schöneberger oder eben mich: Wir sind alle drei keine klassischen Moderatoren, uns fehlt das Seriöse, das Klassische. Wir sind bei allem immer viel zu persönlich involviert. Wer von uns könnte denn jahrelang dasselbe Quiz moderieren, ohne sich je zu versabbeln?

    SPIEGEL ONLINE: Benötigt die ARD denn wirklich einen zweiten Pilawa?

    Müller: Ein Sender braucht wohl immer ein Sendergesicht. Jemanden, den laut Umfragen alle mögen und der deshalb möglichst oft eingesetzt wird.

    SPIEGEL ONLINE: Braucht Fernsehen - auch und im Besonderen das große Samstagsabendfernsehen - nicht eher mal jemanden, der einen unerwarteten Satz sagt, der sich in die Nesseln setzt?

    Müller: Ja, aber dann bist du gleich die Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Ein falscher Satz um 20.15 Uhr und du hast am nächsten Morgen gleich die großen Überschriften in den Boulevardzeitungen. Da sitz ich doch lieber in meiner kleinen Fernsehkneipe und sabbel drauf los.

    SPIEGEL ONLINE: Sie vermitteln stets den Eindruck, als ob die Präsenz einer Kamera das Natürlichste auf der Welt wäre. Wie lebt es sich mit der Kamera im Rücken?

    Müller: Prima! Aber das hat vor allem damit zu tun, dass ich bei allen eigenen Sendungen mit denselben Leuten arbeite. Ich sage durchaus Sendungen ab, wenn ich mit Regisseuren zusammenarbeiten muss, die ich nicht kenne. Mich stört die Kamera aber sowieso nicht, ich mag die irgendwie.
    SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, das hat auch damit zu tun, dass Sie schon vor dem Fernsehen ein Leben hatten?

    Müller: Klar, wenn ich mit 18 zum Fernsehen gekommen wäre, hätte ich alles euphorisch mitgemacht. (Macht eine Piepsstimme und große Augen:) Fernseeeehhhhn, tolllll! Ich wäre jetzt wahrscheinlich eine Verkäuferin in einem Shopping-Kanal, die begeistert teuren Nippes in die Kamera hält. Mir war immer klar: Gerne Fernsehen, aber nicht um jeden Preis.

    2. Teil: "Wir haben eine Arschloch-Liste und eine Doppel-Arschloch-Liste"

    SPIEGEL ONLINE: Bis Ende 20 waren Sie Apothekerin mit Reihenhaus. Eine gute Vorbereitung für die Unterhaltungskarriere?

    Müller: Für mich war das genau richtig. Ich war ja eh eine Spätzünderin. Es war nützlich, als Apothekerin den Umgang mit Menschen zu lernen. Ich habe diesen Beruf geliebt. Es war auch nützlich, eine gewisse Disziplin zu entwickeln. Merkt man vielleicht nicht immer bei der leicht anarchisch wirkenden Sendung "Inas Nacht", aber die ist auf ihre Art ja sehr durchdacht.

    SPIEGEL ONLINE: Wie wichtig ist das Prinzip Kollision? Der Restauranttester Rach und der Pop-Dichter Distelmeyer in einer Sendung ist eine gewagte Kombination.

    Müller: Kollision ist vielleicht ein zu starkes Wort. Aber mir ist schon wichtig, dass da unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen. Einer muss es schon krachen lassen können.

    SPIEGEL ONLINE: Wer darf auf keinen Fall in Ihre Sendung kommen?

    Müller: Sag' ich nicht. Nur so viel: Wir haben eine Arschloch-Liste und eine Doppel-Arschloch-Liste. Von der Doppel-Arschlochliste darf natürlich keiner kommen, von der anderen Liste schon. Man braucht ab und zu ein paar Arschlöcher in der Sendung - auch um dann festzustellen: Sind gar nicht so schlimm. Nur einmal wurde es brenzlig. Da merkte ich schon nachmittags bei der Probe, dass ich mit der Person abends bei der Aufzeichnung ein echtes Problem haben würde. Haben wir dann durchgezogen, haute auch hin. Allerdings hörte mich diese Person dann auch nicht sagen, wie toll ich sie doch fände.

    SPIEGEL ONLINE: Der große Hugo Egon Balder, den Sie mal vor laufender Kamera wegen seiner Schwerhörigkeit fröhlich niedermachten, war das aber hoffentlich nicht?

    Müller: Nein, um Gottes Willen! Der läuft ja in der Kategorie "obersympathisches Arschloch". Der kannte die Sendung gar nicht und hatte wohl gedacht, er käme in eine Art "Schaubude". Dann merkte er: Mensch, hier kann ich rauchen, hier ist echter Schnaps in den Gläsern. Der taute dann auf und riss wahnsinnig schlechte Witze. Herrlich!

    SPIEGEL ONLINE: Ehrensache, dass bei Ihnen echter Alkohol ausgeschenkt wird?

    Müller: Alkoholfreies Bier geht gar nicht. Aber sagen wir mal so: Ich finde es nicht so erstrebenswert, am Ende einer Sendung besoffen zu sein. War ich auch noch nie. Naja, einmal schon. Und das war, als Dagmar Koller merkte, dass ich Wasser in meinem Schnapsglas hatte und es mit ihrem vertauschte.

    SPIEGEL ONLINE: Sind Ihnen eigentlich auch schon mal Zuschauerbeschwerden zu Ohren gekommen, dass Sie zu laut sind?

    Müller: Bin ich laut?

    SPIEGEL ONLINE: Gelegentlich.

    Müller: Stimmt wohl. Deshalb bin ich bemüht, mich relativ rar zu machen. So eine wie ich geht den Leuten schnell auf die Nerven. Obwohl sich meines Wissens nach bislang noch keine Aktionsgruppe "Stoppt Ina Müller" gebildet hat. Übrigens glaube ich, dass vor allem Männer Probleme mit lauten Frauen haben. Nach dem Motto "Ist ja ganz lustig, aber bitte nicht als Freundin!". Ingrid von Bergen, die sehr laut ist und sehr viele Männer hatte, hat in meiner Sendung den vielleicht schönsten Satz überhaupt dazu gesagt: "Immer wenn ein Mann keine Angst vor mir hatte, habe ich ihn sofort geheiratet."

    SPIEGEL ONLINE: Apropos laut: Hatten sie Angst vor der Sendung, bei der Sie die Freundin und Kollegin Barbara Schöneberger zu Gast hatten?

    Müller: Klar, das war schon ein Experiment, wir sind uns ja in einigen Punkten sehr ähnlich. Obwohl sie eher eine singende Moderatorin ist und ich eine moderierende Sängerin. Es war eine tolle Sendung, aber es potenzierte sich nun mal unweigerlich auf Doppel-D - äh: Doppel-Laut.

    SPIEGEL ONLINE: Sie haben einmal gesagt, dass Sie es bereuten, niemals Punk gewesen zu sein. Holen Sie da gerade etwas nach?

    Müller: Ich glaube, da darf man sich nichts vormachen: ARD und Punk, das wird nie zusammenpassen. Die totale Anarchie kann es in so einem Apparat nicht geben. Man kriegt da höchstens ein paar Prozentpunkte Punk rein. Übrigens muss man aufpassen, dass man nicht in die Rolle des lustigen Nebendarstellers reingedrückt wird, der dann die eher biederen Primetime-Sendungen aufmischt. Aber ich bin kein Sidekick, ich bin die Chefin. Arrogant, ne?

    SPIEGEL ONLINE: Nein, eher realistisch. Aber müssen Sie nicht gerade deshalb mal eine große Samstagabendshow übernehmen?

    Müller: Aber wie soll die denn aussehen? Mal ganz ehrlich, mit meinem Regisseur und meinem Produzenten treffe ich mich demnächst und fahre drei Tage für ein Brainstorming ins schöne Scharbeutz. Um einfach mal alles zwanglos durchzuspielen, das machen wir öfter. Bei solchen Gelegenheiten wischen wir erst einmal alle Zweifel und Abgeklärtheit weg, aber am Ende ist alles nur so halb gut. Klar, "Inas Nacht" ist bei so einem Treffen entstanden, aber alles andere wurde begraben. Das Fernsehen lässt sich nicht neu erfinden, und schon gar nicht der Samstagabend.

    Das Interview führten Christian Buß und Hannah Pilarczyk.

    Grimme-Star Ina Müller
  • Ina Müller: Ganz im Hier und Jetzt (DB mobil 06/2009)

    Giu 16 2009, 20:55

    Erfrischend uneitel und sprühend spontan: Ina Müller gilt als Lichtblick im deutschen Fernsehen. Im Juni laufen neue Folgen ihrer Sendung „Inas Nacht“ an, für die die Sängerin, Moderatorin und Autorin 2008 mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt wurde.



    Ina Müller ist die Vertreterin der heutigen Generation weiblicher Fernsehstars, die mit Natürlichkeit und Spontanität trumpft. Und die mit „Inas Nacht“ eine Sendung erfunden hat, die als Gegenentwurf zu klassischen Late-Night-Shows ohne Schreibtisch und sterile Studioatmosphäre auskommt. Stattdessen drehte die Norddeutsche in einer schuhkartonkleinen urigen Pinte, in der nur zwölf Zuschauer Platz finden. Vor dem Fenster hat sie einen dunkelblau bemützten Shanty-Chor platziert, mit dem sie Seemanns- lieder wie „What Shall We Do With The Drunken Sailor“ anstimmt.

    Es sind Moderatorinnen wie Charlotte Roche und Barbara Schöneberger, die Ina Müller den Weg geebnet haben. Aber im Unterschied zu ihnen betrachtet Müller sich als Sängerin. 90 Minuten lang hat sie ständig ein Lied auf den Lippen, von ihrer Band begleitet schmettert sie mal den Schlager „Oh Champs-Élysées“, mal begleitet sie die Band Tomte am Mikrofon.

    Es zeichnet die Musikerin, Entertainerin, Buchautorin und Kabarettistin aus, dass sie als Ina Müller nie hinter ihren Rollen verschwindet. Im Gespräch mit Mary Roos über ihr Single-Dasein befragte sie die Schlagersängerin so hartnäckig zum Thema Liebe, dass dabei offensichtlich wurde: Hier war auch persönliches Interesse im Spiel. Denn auch sie lebt allein. Zurück- gefragt, was ihr Männertyp sei, ließ sie sich schließlich zu dem ernst gemeinten Bekenntnis hinreißen: „Klug muss er sein und groß wie ein Schrank!“ Einen Berg von Zuschriften habe ihr diese unbedachte Äußerung eingebracht, erzählt die 43-Jährige: „von lauter klugen Schränken!“

    Ihr knappes Motto „Sabbeln, Saufen, Singen“ ist wohl vor allem ihrer Herkunft geschuldet: Misstrauisch gegenüber großen Worten zieht der Norddeutsche den Telegrammstil von jeher den langen Sätzen vor. Müllers Bücher mit Kurzgeschichten auf Plattdeutsch beziehen daraus ihre Komik. Eines trägt den Titel: „Schöönheit vergeiht, Hektar besteiht“ (so definiert der Landwirt die „gute Partie“).

    Bald startet auch ihre neue NDR-Sendereihe, die die Unterschiede zwischen Stadt und Land thematisiert, existenzielle Themen wie Liebe und Glauben betreffend. Für „Stadt, Land, Ina“ sprach sie mit weiblichen Schutzengeln in Schneverdingen, die Männer davon abhalten sollen, betrunken zu fahren, sang mit einem ghanaischen Gospelchor, ließ sich die Karten legen und interviewte vier junge Novizinnen.

    Zur Person:

    Als vierte von fünf Bauerntöchtern kam Ina Müller 1965 im Landkreis Cuxhaven zur Welt. Als pharmazeutisch-technische Assistentin arbeitete sie in einer Apotheke auf Sylt. Dort traf sie Edda Schnittgard, mit der sie 1994 das Kabarett-Duo Queen Bee gründete. Seit 2005 tritt sie allein auf, brachte drei Bücher mit plattdeutschen Kurzgeschichten und zwei CDs heraus: „Weiblich, ledig, 40“ und „Liebe macht taub“. Die Moderatorin der Sendungen „Land und Liebe“ und „Inas Norden“ erhielt für „Inas Nacht“ den Deutschen Fernsehpreis.


    Ina Müller mit dem Kölner Komiker Guido Cantz in „Inas Nacht“.


    Quelle: http://www.deutschebahn.com/site/bahn/de/unternehmen/bahnwelt/kundenmagazin/leute/fernsehen/ina__mueller.html
  • Santana Leipzig/Völkerschlachtdenkmal

    Lug 9 2008, 19:59

    Fr., 4. Jul. – Live Your Light 2008 Tour

    20:10 Uhr-Santana-Völkerschlachtdenkmal-Stimmung-Fans-Songs-Regen-Regenbogen-Groove-Latin-Party-Santana-22:50 Uhr

    Santana wie er spielt und lebt!
  • Musik: worldmusic café 21 "Rainhas Do Norte" - Drums and Voices

    Mar 8 2008, 11:39

    Fr., 7. Mär. – Rainhas do Norte, http://www.rainhas.de/ nofollow=yes

    9 Frauen, 18 Hände, 2 Länder, 1000 Weltanschauungen: Die "Königinnen des Nordens" aus Berlin transformieren traditionelle Rhythmen aus Nordostbrasilien zu einem ganz eigenen Berlin-Brasil-Beat: Die traditionellen Trommeln, die im "Karnaval Recifes" benutzt werden, bilden dabei das klangliche Fundament.



    ... und es groovt und groovt und groovt ...
  • Sambafestival Coburg

    Ago 23 2007, 14:04

    Fr., 13. Jul. – Sambafestival

    Bei herrlichem Sonnenschein und Sambaklängen kam Rio-felling auf.

    Auch dieses Jahr wieder Sambapur bis in die Nacht!

    Mit ein Höhepunkt war die Showband von Mangueira.
  • Clube do Balanco im E-Werk/Erlangen am 26.07.07

    Lug 27 2007, 10:42

    Do., 26. Jul. – E-Werk

    Wer gerne Samba mit einer Mischung aus Swing und Rock mag und Lust auf abtanzen hat, ist bei Clube do Balanco richtig!

    Sehr empfehlenswert!!!

    Clube Do Balanco