Diario

  • Collision - A Healthy Dose Of Death

    Ago 29 2014, 13:15

    Collision
    Collision haben sich entwickelt. Vom reinen Grindcore ihrer frühen Jahre hin zum (immer noch) grindigen Thrashcore, der oftmals mit Bands wie D.R.I. und Municipal Waste in Verbindung gebracht wird. So weit würde ich selbst dann doch nicht gehen, aber die grobe musikalische Marschrichtung wäre damit schon mal vorgegeben.

    Wieso ich nicht so weit gehen würde? Weil die Grindcore-Wurzeln dazu immer noch zu präsent sind, das unterscheidet den Sound von Collision von dem der genannten Kapellen. Aber zumindest eine Annäherung an diesen Sound kann man nicht abstreiten und das tut dem Schaffen der Niederländer unüberhörbar gut. Eine Menge Augenzwinkern haben die Käsköpp ebenfalls in ihr Material gepackt, worauf schon Songtitel wie „Charming Chicks With A Crucifix“ oder „The Violence Of The Lambs“ hindeuten. Neben all den Gute-Laune Faktoren bleibt A Healthy Dose Of Death aber eine musikalisch ernstzunehmende Angelegenheit, denn die Stücke sind in sich schlüssig geschrieben, nur selten nervig oder gar unzugänglich und können neben dem nicht zu leugnenden Spaßanteil auch ordentlich zum Training der Nackenmuskulatur anregen. Dabei vergisst das Quintett nicht, des Öfteren an der Temposchraube zu drehen, womit das Album auch genug Abwechslung bieten kann.

    Dass bei solchem Material musikalische Feingeister nicht unbedingt ein Füllhorn an technischen Kabinettstückchen vorfinden werden, liegt eigentlich auf der Hand. Nichtsdestotrotz haben die fünf ihre Tracks kompetent eingezimmert und bieten eine solide, wenn auch nicht nach dem Begriff „Weltklasse“ schreiende Performance. Die Abwechslung im Vokalbereich durch zwei verschiedene Sänger sorgt zudem dafür, dass es auch in diesem Bereich nicht monoton wird. Ein bisschen dürftig ist dagegen der Umfang des Werkes, denn gerade mal 27 Minuten sind nicht dazu da, den Begriff „Full Length“ besonders herauszufordern.

    Nein, innovativ ist dieser Output mit Sicherheit nicht. Aber er macht Laune und transportiert einen damals recht kurzlebigen Stil recht solide aus den Achtzigern in die Moderne, ohne antiquiert zu wirken. Gar nicht mal schlecht…
  • The Gardnerz - It All Fades

    Ago 28 2014, 16:06

    The Gardnerz
    Auch wenn das stylische „z“ am Schluss des Bandnamens möglicherweise etwas anderes suggeriert, handelt es sich bei den Gardnerz keineswegs um eine Kapelle von Trend-Kiddies. Nein, hier sind vier gestandene Musiker tätig, die auch schon in anderen Kapellen ihre Spuren hinterlassen haben.

    Ebenso wenig ist auch der Musikstil der Schweden besonders trendy, sie beackern nämlich das nicht immer leicht verdauliche Terrain des doomigen Death Metals. Oder meiner Meinung nach eher des recht entspannten Doom Metals mit leichten Death-Anleihen, denn die Todesspuren finden sich primär im Gesang von Fronter Niclas wieder, der Rest wildert zwar hin und wieder (besonders beim Opener spürbar) in den Gefilden von Chuck Schuldiners Truppe, geht aber meistens doch eher weniger direkt zu Werke. Oft kommt gar eine verträumte Stimmung auf, die manchmal sogar leicht progressiv wirkt. Das führt zwar einerseits dazu, dass sich die ein oder andere Länge nicht wegdiskutieren lässt, gibt dem Material aber andererseits auch ungewöhnlich viel Vielschichtigkeit. Eine Ausnahme von der allgemeinen Herangehensweise bildet da nur das Cover von Darkthrones „Transilvanian Hunger“, das komplett akustisch und mit Gastsängerin daher kommt. Vom Stil her hat das Stück weder mit dem Original noch mit dem restlichen Material der Gardnerz irgendetwas zu tun, sticht aber genau deshalb auch besonders hervor. Die unglaublich atmosphärische und eindringliche Interpretation des Songs ist ganz klar der Höhepunkt der CD, die aber auch beim restlichen Material keine echten Ausfälle zu beklagen hat.

    Dass bei diesem Genre die technische Umsetzung traditionell weniger im Vordergrund steht, heißt noch lange nicht, dass hier keine mindestens solide Handwerkskunst geboten wird. Das bezieht sich sowohl auf die Instrumentalfraktion als auch auf den Gesang, der möglicherweise nicht als Weltklasse zu bezeichnen ist, dafür aber einiges an Variabilität zu bieten hat. Ebenso geht die Produktion des Outputs völlig in Ordnung, von der für eine EP wahrlich opulent zu nennenden Spieldauer ganz zu schweigen.

    Das Rad erfinden diese Schweden sicherlich nicht neu, aber bei ihnen läuft es wenigstens rund. Schon alleine die erwähnte Cover-Version ist es wert, mal ein Ohr zu riskieren.
  • Dark Zodiak - Throwing Stones

    Ago 28 2014, 16:03

    Dark Zodiak
    Dark Zodiak als „junge“ Band zu bezeichnen, wäre angesichts des Bandfotos offensichtlich verfehlt (die Dame auf dem Bild mag mir diesen Einstieg verzeihen), sagen wir also lieber „neue“ Band, denn die Kapelle wurde 2011 von Drummer Dieter Schwarz gegründet. Unerfahren sollten sie aber nicht sein, denn ein Großteil der Mitglieder hat seine musikalischen Spuren schon in anderen Combos hinterlassen.

    Schon deswegen ist es schwer verständlich, wieso das Songwriting auf dieser 4-Song Demo so ungelenk, ja fast stümperhaft wirkt. Nur selten passt irgendetwas zusammen, meist hat man den Eindruck, als versuchte die Band verschiedenste Stile unter einen Hut zu bringen, indem sie ein Teil ans andere klebt, ohne darauf zu achten, wie denn die Einzelteile miteinander harmonieren. Vielleicht hätte sich das Quintett vorher überlegen sollen, was sie denn überhaupt machen wollen, so hat man den Eindruck, als wären Dark Zodiak ziemlich ziellos unterwegs, was den eigenen Stil betrifft. Mal thrasht es deutlich, dann versucht man sich im Death Metal, nur um gleich darauf ins Progressive abzudriften. Als homogene Melange könnte das durchaus interessant werden, als das Stückwerk, das hier präsentiert wird, wirkt es vor allem ungeschickt in Szene gesetzt. Da muss man nicht einmal einen Song besonders hervorheben, diese Irrfahrt zieht sich über den ganzen Rundling.

    Dabei wäre zumindest handwerklich ein zumindest solides Fundament vorhanden, die furchtbar schrägen männlichen Sangesversuche mal ausgenommen. Die Riffs, wenn sie denn mal sinnvoll eingesetzt werden, kommen knackig, die Rhythmusfraktion gibt sich immerhin mannschaftsdienlich und Goldkehlchen Lucie kann mit einer recht wandlungsfähigen Stimme aufwarten. Nur bei den Klargesangversuchen ist noch Luft nach oben.

    Hilft aber alles nix, Murks bleibt Murks, mag er auch noch so solide präsentiert werden. Bei aller Liebe für den Untergrund, das kann man nicht schönreden…
  • Terrorama - Genocide

    Ago 27 2014, 4:53

    Terrorama
    Peter Liden ist nicht nur Chef des Labels I Hate Records, er ist auch der Kopf hinter der schwedischen Formation Terrorama. Deren Drittwerk trägt den Namen Genocide, wird aber nicht vom eigenen Label vertrieben, sondern von To The Death Records. Das liegt wohl daran, dass I Hate hauptsächlich Doom-Kapellen unter Vertrag hat.

    Und da passt dieses Quartett nicht wirklich rein, denn Terrorama wildern in deutlich anderen Gefilden. Thrash Metal mit Abstechern in Death Metal Regionen und einer guten Portion Schwarzmetall ist das Gebot der knappen halben Stunde. Wer jetzt aber angesichts der scheinbaren Stil-Vielfalt auch ein vielschichtiges Programm erwartet, sieht sich bitter getäuscht, denn dem ganzen Material fehlt es augenscheinlich an Facettenreichtum. Für sich alleine genommen, gehen die fast immer in Höchstgeschwindigkeit eingezimmerten Tracks sogar halbwegs in Ordnung, auf Albenlänge aber ist das Werk doch recht eintönig, um nicht zu sagen langweilig. Echte Unterscheidungs- oder gar Alleinstellungsmerkmale fehlen dem Material an allen Ecken und Enden, immer nur stur nach vorne ist eben selten abendfüllend. Da helfen auch die möglicherweise kritisch gemeinte Thematik und die Zwischensequenzen nicht, stumpf bleibt stumpf.

    Dabei wäre die handwerkliche Umsetzung gar nicht mal so verkehrt. Gerade im Gitarrenbereich weiß man mit präzisen Riffs und schneidiger Lead-Arbeit zu überzeugen und die Rhythmus-Sektion vermag den Stücken einen ordentlichen Drive zu verpassen. Das heisere Gebell von Herrn Liden ist zwar eher generisch, zumindest aber nicht wirklich schlecht. Was allerdings wirklich schlecht ist, nennt der Fachmann gemeinhin „den Klang“. Keinerlei Druck in den tieferen Tonbereichen, dafür aber extrem schneidend weiter oben, so wird der vermeintlich Genuss ganz schnell zur Qual. Mag sein, dass damit der Geist der frühen Thrash-Periode eingefangen werden sollte, in die Hose ging es trotzdem. Nicht mal eine halbe Stunde Spieldauer klingt auch arg wenig, allerdings dürfte ein Großteil der Hörer froh sein, dass der Spuk so schnell vorbei ist. Und das Artwork lässt scih am besten mit „dilletantisch“ beschreiben.

    Mag sein, dass Genocide gut gemeint ist. Gut gemacht aber ist es absolut nicht. Das braucht nicht einmal der fanatischste Alles-Sammler, das braucht niemand.
  • Origin - Omnipresent

    Giu 23 2014, 14:59

    Origin
    Drei Jahre haben sich Origin Zeit gelassen, einen Nachfolger für das großartige Entity zu präsentieren. Drei Jahre, in denen sich Neuling Jason Keyser, der beim Eintrümmern des Vorgängers noch nicht dabei war, in die Band integrieren konnte. Und drei Jahre, in denen Origin Zeit hatten, Material zu schreiben, dass gegenüber dem von Entity nicht abstinken sollte.

    Um es kurz zu machen: Sowohl die Einbindung von Jason als auch das Songwriting sind makellos gelungen. Mit den nunmehr drei Sängern ist noch eine zusätzlich Facette in den Sound von Origin eingezogen, hier werden alle Gesangsstile des extremen Metals geboten, ohne ein Durcheinander zu erzeugen. Grunzen, Keifen, Schreien, alles da, gut durchmischt und dennoch sauber strukturiert, nur wenige Bands des Extrem-Sektors können derart vielschichtige Gesangslinien bieten. Ebenso überzeugend ist die Arbeit von Drum-Tier John Longstreth, dem man unterstellen könnte, mehr als zwei Arme und Beine zu haben. Allerdings macht er nicht den Fehler, den Alben-Titel wörtlich zu nehmen, denn auch wenn er hauptsächlich durch die Botanik blastet, gönnt er sich und dem Hörer doch auch oft genug die nötigen Verschnaufpausen und bietet dann eine eher traditionell angehauchte Herangehensweise. Was aber am meisten überrascht, ist die Tatsache, dass Origin mit nur einem einzigen Gitarristen auskommen. Dabei liefert Paul Ryan eine Leistung ab, bei der vielen Gitarristen-Duos der blanke Neid ins Gedärm fahren dürfte.

    Die Kunst des Songwritings steht der technischen Umsetzung aber in keinster Weise irgendwie nach. Wie schon 2011 wird hier nicht stumpf in Lichtgeschwindigkeit geballert, Melodie und Brutalität gehen Hand in Hand, ohne sich gegenseitig im Weg umzugehen. Der Hauptteil des Albums besteht natürlich aus absolut wahnwitzig in Szene gesetzter Raserei, aber drei kurze, verhaltene Zwischenspiele bieten die notwendige Auflockerung und mit „Redistribution Of Filth“ hat sich ein eher traditioneller Groover eingeschlichen, der in bester The Rotted-Manier ins Tanzbein fährt. Außerdem bieten auch die Highspeed-Granaten innerhalb des jeweiligen Songs viel mehr als nur technisches Geschredder, gerade beim Rauswerfer „The Indiscriminate“ macht sich da sogar leicht schwarzmetallische Melancholie bemerkbar.

    Klanglich herrscht auf Omnipresent eitel Sonnenschein, jedes Instrument bekommt den Platz, den es braucht, um seine Wirkung zu entfalten. Das Cover-Artwork kann es locker mit denen von Obscura aufnehmen und der Umfang des Werkes ist zwar wieder übersichtlich, aber diese Scheibe verdient eh mehr als einen Umlauf, um ihre volle Wirkung zu entfalten.

    Omnipresent macht genau da weiter, wo Entity 2011 aufgehört hat. Und das kann nur bedeuten, dass auch die Wertung wieder so ausfällt wie vor drei Jahren. Ein gefundenes Fressen für Anspruchs-Extremisten und definitiv ein Kauftipp.
  • My Cold Embrace - Earth Exhausted

    Mag 15 2014, 14:49

    My Cold Embrace
    My Cold Embrace stehen für gut 15 Jahre puren Undergrounds. Alles, was es bisher von ihnen gibt, haben sie komplett selbst verbrochen, vom Schreiben über das Einspielen bis hin zur Abmischung und Produktion ihrer Werke. Das nenne ich mal konsequent…

    Beim neuesten Output handelt es sich um eine Vier-Song-EP mit dem thematisierenden Namen „Earth Exhausted“, durch die sich ein roter Faden in Form der Geschichte eines Mannes zieht, der nach der Wahrheit sucht, aber erschreckende Antworten findet. Musikalisch bewegen sich die Hessen dabei im Bereich des leicht melodisch angehauchten Death Metals, der aber auch Spuren von Thrash Metal sowie progressive Züge aufweisen kann. Die Songs sind knackig und auf den Punkt gebracht, weisen einerseits genug Pfeffer auf, um den Papa nicht als Sitzpisser zu outen, können andererseits aber auch mit überzeugender Melodieführung punkten, welche die Stücke problemlos zugänglich werden lässt.

    Und wenn ich anfangs vom Underground geschrieben habe, so wirkt sich das keineswegs auf die Soundqualität aus. Proberaumniveau sucht man hier vergebens, für eine Eigenproduktion kann die EP einen fast schon unverschämt guten Sound vorweisen. Da sieht und vor allem hört man mal wieder, dass man für eine ordentlich klingende CD nicht unbedingt ein großes Label im Rücken braucht. Aber anständige Musiker sollte man schon vorweisen können und auch hier kann My Cold Embrace überzeugen. Variable Gesangslinien zwischen Growls und Screams pendelnd thronen über einer Instrumentalfraktion, die sich keine Blöße gibt.

    Erhältlich ist das Material über die Bandcamp-Seite der Band. Jeder Song ein Euro, das Komplettpaket für drei Teuronen. Und wer gerne Hardware hätte, kann sich dort auch die CD für insgesamt sieben Tacken (davon zwei für Porto und Verpackung) bestellen, auf der sich als Bonus noch ein Livetrack befindet, das allerdings eher rudimentär klingt. Nichtsdestotrotz lohnt sich die Anschaffung des Rundlings in meinen Augen sehr wohl, die Stückzahl ist allerdings auf 444 begrenzt. Die paar Euro kann man wahrlich schlechter investieren…
  • Various Artists - Fucking Grind Split

    Mag 13 2014, 15:31

    Oh Yeah! Oh Yeahhhh!
    Yuppie-Club
    Bei Split-Alben ist die Qualität der Beiträge naturgemäß schwankend, nur selten ist bei einer derartigen Veröffentlichung das Level oder auch nur der Stil der Mitwirkenden einigermaßen gleichmäßig ausgefallen. Aber eine derart gewaltige Kluft wie beim vorliegenden 2-Kapellen Sampler habe ich auch noch nicht erlebt.

    „Fucking Grind Split“ deutet schon mal grob in die Richtung, in welche die musikalische Reise gehen soll. Den Grind-Anteil steuern dann auch die einheimischen Mitglieder des Clubs der Yuppies bei. Wer das bisherige Schaffen von Yuppie-Club kennt, weiß auch, was ihn hier erwartet: Grindcore alter Schule, kurz und auf den Punkt, ohne Schnörkel, ohne Experimente. Das mag nicht sonderlich überraschend sein, unterhaltsam aber sind die acht Stücke, die auf das ganz nette, gesprochene Intro folgen, allemal. Die Westfahlen können wohl gar nicht anders als auf ganz klassische Art und Weise zu grinden, aber das machen sie wie immer mehr als solide. Dieser Teil der Veröffentlichung geht also absolut in Ordnung.

    Zum zweiten Teil möchte ich eigentlich gar nichts schreiben, jedes Wort wäre schon zu viel der Aufmerksamkeit. Aber es ist halt Pflicht des Rezensenten, auch dieses … wasauchimmer zu beschreiben und so greife ich hier mal zu einer für mich eher ungewohnten Sprache. Normalerweise haben nämlich die Briten ein Talent dafür, kurze, prägnante Begriffe für etwas zu verwenden, aber hier drängt sich einfach der deutsche Ausdruck „gottverdammter Scheißdreck“ auf und so fasse ich den Beitrag der Mikronesier (Mikronesen?) mal mit diesem bildhaften Ausdruck zusammen. Das ist kein Grindcore, das ist ganz üble Verarsche. Hier wird Ideen- und Talentlosigkeit unter dem Deckmäntelchen des Grindcore unters nichtsahnende Volk gebracht. Ich kann mir schon vorstellen, wie das ablief:
    - Kommt, wir gründen eine Band und machen Musik, auch wenn wir weder Songs schreiben noch mit Instrumenten umgehen können.
    - Aber wer soll das dann hören?
    - Na, packen wir unseren Müll halt ins Genre Grindcore, das ist eh keine Musik und da dort Split-Veröffentlichungen recht beliebt sind, haben wir sogar eine Chance, mithilfe einer etwas bekannteren Combo auch gleich ein etwas größeres Publikum erreichen zu können.
    - Au ja, das machen wir!
    Kaum gesprochen, schon in die (Un)Tat umgesetzt. Lärmanfälle zwischen zehn und 45 Sekunden schnell aufs Blatt gekritzelt, hysterisch ins Mikro gekreischt, fünf bis sechs Noten an den Saiten runtergeholzt und das Drumkit eine Weile lang mit Müll beworfen, schon sind gut 20 „Songs“ fertig. So hart das jetzt klingt, diese Ausführungen sind eher noch geschönt, für solch einen Sondermüll wäre selbst das Kotz-Smiley zu schade.

    Tja schade, dass der durchaus brauchbare Beitrag von Yuppie-Club durch den folgenden Dreck entwertet wird, aber das Ding hier kann ich guten Gewissens höchstens der Schrottpresse empfehlen. Zumindest die zweite Hälfte…
  • Master - The Witch Hunt

    Mag 7 2014, 14:53

    Master
    Für die einen ist Paul Speckmann Kult, weil er sich nie von seiner Vision des Death Metals abbringen hat lassen und sein Ding immer stur durchgezogen hat. Für die anderen ist er genau deswegen zu Recht nie wirklich durchgestartet. Auf welcher Seite man jetzt auch steht, zumindest muss man ihm für sein Durchhaltevermögen Respekt zollen.

    Nach dieser Einleitung aber sollte schon klar sein, wohin die Reise auf dem 2013er Releases von Master musikalisch gehen wird. Death Metal ganz alter Schule mit deutlichen Verweisen an den Thrash noch älterer Couleur, auf The Witch Hunt wird nichts geboten, was man von einem Master-Releases nicht auch erwartet hätte. Das zeugt auf der einen Seite von musikalischer Konstanz, auf der anderen Seite kann solch eine Weiterentwicklungs-Verweigerung auf Dauer auch eintönig werden. Nun, wirklich eintönig wird es auf der Scheibe nicht, dazu hat Meister Speckmann genug Energie in seine Songs gepackt. Aber das Gefühl, so etwas früher schon mal gehört zu haben, stellt sich leider auch ziemlich rasch ein. Vor allem der inflationär eingesetzte Uffta-Uffta-Beat ist hier der große Gleichmacher. Dazu kommt noch, dass sich die Stücke in ihrer Intensität und ihrem Aufbau doch arg ähnlich sind, was zwar für den einzelnen Song an sich nicht weiter tragisch ist, für das ganze Album aber zu einem gewissen Aufmerksamkeitsdefizit seitens des Hörers führen kann.

    Ganz sicher nicht zu so etwas führt die Leistung der Protagonisten. Ist die Scheiblette instrumental noch durchaus passabel in Szene gesetzt, kann man das von des Meisters Sangeskünsten keinesfalls sagen. Pseudo-versoffenes Gelalle übelster Machart, neben dem die Artikulationsfähigkeiten der Neigungsgruppe Jägermeister an jedem Bahnhof elfenklar gen Himmel tönen, damit gewinnt Herr Speckmann keinen Blumentopf. Auf Dauer finde ich das nicht nur nervend, sondern sogar abstoßend. Dafür ist die Produktion ordentlich oldschoolig ausgefallen und rumpelt charmant durch die Walachei. Die an sich recht umfangreiche Spieldauer führt aber wegen der weiter oben angesprochenen Kritikpunkte fast schon zur Abwertung, gut 30 Minuten hätten es hier auch getan und niemand hätte das Gefühl, es würde etwas fehlen.

    An sich würde The Witch Hunt irgendwo im wertungstechnischen Niemandsland dümpeln, aber das angesprochene Gestammel am Mikro führt zwangsläufig dazu, punktetechnisch deutlich abzurutschen. Das ist mit Sicherheit nicht die Scheibe, die Master bräuchten, um endlich durchzustarten.
  • Slaughterday - Nightmare Vortex

    Mag 6 2014, 14:38

    Slaughterday
    Slaughterday als ganze Band zu bezeichnen, wäre vielleicht etwas übertrieben, gibt es doch nur zwei Bandmitglieder. Das dürfte zwar die Live-Umsetzung ihres Materials etwas schwierig machen, aber da es hier um eine CD-Rezension geht, fällt das natürlich nicht ins Gewicht.

    Vielmehr ist zu vermerken, dass das Duo auf seinem Full-Length Debüt Nightmare Vortex mehr Energie zu packen versteht als manche „ganze“ Band. Stilistisch bieten die beiden Niedersachsen dabei einen Mix aus viel US-Todesmörtel der Marke Autopsy und einer etwas kleineren Portion Elchtod im Stile der frühen Stockholm-Heroen. Das ergibt eine düstere und vor allem dreckige Atmosphäre, welche die Bezeichnung „drückend“ geradezu herausfordert. Tempomäßig variieren die beiden Musiker dabei recht geschickt und bieten sowohl schleppende als auch nach vorn abgehende Stücke und Passagen. Nicht nur, dass dadurch überraschend viel Abwechslung geboten wird, nein an den Schnittstellen zwischen den beiden Extremen finden sie auch jede Menge Gelegenheit, fesselnde Gitarrenmelodien einzubauen, ohne den Fluss der Stücke zu stören. Allerdings gelingt auch nicht jeder dieser Tempowechsel, ein paar Mal hat man das Gefühl, dass da ein leichtes rhythmisches Stolpern zu verzeichnen ist. Das stört den Gesamteindruck aber nur unwesentlich, meist gelingen die Breaks recht überzeugend.

    Technisch überzeugend sind vor allem die Growls von Bernd Reiners, die direkt aus der Hölle zu kommen scheinen. Auch die angesprochenen melodischen Einsprengsel sind überzeugend ausgefallen, der Rest der technischen Umsetzung fällt in die Kategorie „gehobene Mittelklasse“. Das soll keineswegs abwertend sein, diese Art Musik schreit einfach nach einer direkten Umsetzung ohne viel Firlefanz. Und auch nach einer rohen, ungeglätteten Abmischung, die deutlich Ecken und Kanten aufweisen kann. Genau das wurde dem Album auch verpasst, die Scheibe klingt genau so, wie man es sich wünscht. Das Artwork schlägt in die gleiche Kerbe und kommt so oldschoolig daher wie nur irgendwie möglich, die Spieldauer ist mit knapp 40 Minuten immerhin brauchbar ausgefallen.

    Nightmare Vortex ist das mehr als solide Debüt einer Band, die einen recht eigenen und wiedererkennbaren Stil pflegt. Sicher nicht jedermanns Sache, dafür aber etwas, das nicht so einfach in gängige Schubladen zu stecken ist. Ein paar weniger bedeutende Kleinigkeiten könnten zwar noch verbessert werden, aber das ist Kritik auf hohem Niveau. Gut.
  • Five Dollar Crackbitch - Dehumanization

    Mar 20 2014, 16:41

    Five Dollar Crackbitch
    Andernach ist eine der ältesten Städte Deutschlands, feierte das 30.000 Einwohner-Städtchen 1988 doch glatt sein 2000-jähriges Bestehen. Als großes Zentrum extremer Musik ist der Ort aber (zumindest in unseren Regionen) seit Christi Geburt nicht aufgefallen. Das könnte sich aber bald ändern, den eine junge Combo namens Five Dollar Crackbitch steht mit ihrem Debüt in den Startlöchern.

    Das Quintett hat sich dafür dem leicht technisch angehauchten Todesmörtel verschrieben. Die des Öfteren zu lesenden Vergleiche mit Bolt Thrower kann ich nicht wirklich nachvollziehen, eher schon steht die Kapelle in der Tradition von Bands wie Morbid Angel, Immolation oder einem kleinen Spritzer Severed Savior. Das bedeutet treibendes, sehr abwechslungsreiches Drumming, punktgenaue Riffs und passendes Saitengequietsche sowie ein Goldkehlchen, dessen Growls deutlich machen, dass der Mann Eier in der Hose hat. Das ergibt in Kombination mit der knackigen, druckvollen Produktion einen Gesamtsound, der keine Wünsche offen lässt und richtig schön in die Magengrube haut.

    Vor allem dann, wenn die Band mal den Fuß vom Gaspedal nimmt und wie beim Titeltrack fast schon in doomigen Gefilden wildert. Aber auch die flotten Passagen haben es in sich und animieren den Hörer, die Nackenmuskulatur zu trainieren. Diese Tempowechsel findet man auf Dehumanization vergleichsweise häufig, so dass eigentlich von einem sehr abwechslungsreichen Album zu sprechen wäre. Aber ein kleines Manko im Songwriting lässt sich leider nicht leugnen, denn auch wenn die Stücke nicht eintönig sind, so fehlt ihnen doch hin und wieder eine erkennbare Spannungskurve. Es reicht eben nicht, nur gelungene Riffs mit starken Breaks zusammenzukleben, selbst wenn dabei regelmäßig an der Temposchraube gedreht wird. Das macht das Material zwar keineswegs schlecht, über weite Strecken vermag die Scheibe zu überzeugen. Aber ein Gefühl bleibt, dass da noch wesentlich mehr drin gewesen wäre.

    Dieses Gefühl in Verbindung mit der doch arg spartanischen Spieldauer führt dann auch dazu, dass die Wertung im gehobenen Mittelmaß stecken bleibt. Aber da es sich bei diesem Rundling um ein Erstlingswerk handelt, sehe ich der Zukunft dieser Band sehr hoffnungsvoll entgegen. Hier und jetzt verbleibt ein „solide“ als Einschätzung.