Diario

  • konzert: rowan coupland, entertainment for the braindead, 22.02.14

    Feb 25 2014, 10:51

    wer meint, dass das veranstalterproblem im privaten raum ein kleineres wäre, irrt. am ende bleibt immer lediglich die hoffnung darauf, dass genügend menschen erscheinen, um ein konzert in angemessenem rahmen erleben zu können. dafür hat es gerade noch gereicht. doch mit fünfzehn zuhörern fühlten wir uns als gastgeber deutlich unterbesetzt. in diesem punkt stand das konzert von Rowan Coupland und Entertainment for the Braindead deutlich den vorherigen hauskonzerten nach.
    doch in allen anderen aspekten konnte es brillieren und ein mal mehr den nachweis erbringen, wie wunderbar und auch zeitgemäß es ist, solcherart veranstaltungen zu organisieren und durchzuführen. die nähe von publikum und künstler, von der am ende jeder profitiert, die berührung mit kunst in ungewöhnlicher atmosphäre, das nachebben mit enormer intensität. und vielleicht wird so aus der überbrückung eines off-tags für die künstler ein besonderes erlebnis, und die hilfestellung der heimstattbieter befördert ihnen einen ganz besonderen genuss.

    rowan coupland ist ein wandelbarer mensch mit vielen gesichtern. in sich ruhend kann er urplötzlich mit einem witz überraschen, so trocken und schwarzhumorig wie es seine herkunft verlangt. still und unnahbar wirkt der engländer oft, und doch ist er neugierig und voller wissensdrang. nicht zu fangen, wie ein glitschiger fisch. meint man, eine seite von ihm zu kennen, wendet er sich ab und präsentiert sich komplett neu. aus dem hintergrund startend singt er bereits durch die zuschauer watend, packt die ersten sekunden beim schopf und greift sich die aufmerksamkeit mit beiden händen. die lieder, die rowan präsentiert, changieren zwischen folk und minnegesang, binden das temperament des insulaners und zeugen zugleich von der sehnsucht nach dem kontinent, nach der verbrüderung von kulturen und der entsagung von nonkonformität und singularität. der gelockte musiker entpuppt sich weniger als geschichtenerzähler denn als eine geschichtstragende figur, in der sich erlebtes mit der zuversicht auf kommendes koppelt.
    gleichzeitig bietet rowan bei aller sparsamkeit an szenischen mitteln, an instrumenten, an beispielgebendem material eine darbietung der besonderen art. seine musik ist verbunden mit dringlicher körperlichkeit, da sich der künstler in ständiger bewegung befindet. so durchmisst er gitarre spielend den raum oder benutzt ihn springend. oder er fällt zwischendurch auf den hosenboden und spielt in lagerfeuermanier weiter. oder er zwingt sich auf den bereitgestellten stuhl und verachtelt seine beine, ein experiment der besonderen art.

    mehr hier: http://dasklienicum.blogspot.de/2014/02/konzert-rowan-coupland-entertainment.html

    Sa., 22. Feb. – Rowan Coupland, Entertainment for the Braindead
  • deer tick, 05.02.14, ampere münchen

    Feb 10 2014, 14:26

    wenn man sich an einem abend, an dem sowohl mogwai als auch adam green in der stadt sind, also eine der wirklich angesagtesten postrockkapellen des planeten und der wohl am jugendlichsten dreinblickenden bartträger des erdenrunds und seines zeichens the moldy peaches mitglied, wenn man sich an so einem abend für Deer Tick entscheidet, muss man wohl als nonkonformistisch gelten. muss man? nein, muss man nicht. denn mit deer tick betritt eine band die szenerie, die nicht leichtfertig in konkurrenz zu oben genannten kalibern gestellt wird. bereits mit "war elephant" hatte die truppe um den charismatischen wie auch immer etwas zu behende wirkenden sänger john mccauley einen exzellenten release aufs tableau gebracht, der ungesteuerten countryrock enthielt, ungeschlacht und reduziert, mit erstaunlichen songs und mit einer stimme vorgetragen, die tote zum leben erwecken könnte. das debütalbum erschien einst (2007) auf jana hunters label feow! records, das es mittlerweile nicht mehr gibt, wurde aber neuerlich (2008) vom darauf hin geenterten partisan records aufgelegt. dort erschienen zudem in loser reihenfolge die alben "born on flag day" (2009), "the black dirt sessions" (2010) und "divine providence" (2011). garniert von den eps "more fuel for the fire" (2009) und "tim" (2012) , abgerundet schließlich vom aktuellen album "negativity" (sept. 2013).

    deer tick hatten zwar zu ihrer gründungszeit keine wirklich lücke besetzt, kümmerten sich aber abseits von zum beispiel o'death oder the felice brothers um das mehrfach geschliffene, das vielfach erprobte, um das auf sich geworfene, um das heulen des verwaisten und doch emsig widerstehenden. stets das gefühl hinterlassend, dass bei aller rauheit und ausgelassenheit kein zwang zur wirkung besteht, dafür aber zur kontrolle und zu einer schrittweise maßgenommenen perfektion. sollte man sich solch eine band entgehen lassen wollen? mitnichten.

    was die fünf mannen im münchner ampere schließlich abfeuerten, ließ nicht nur keine wünsche übrig, sondern forderte respekt ein und ließ selbst die protagonisten ob all der positiven reaktionen aus dem auditorium immer wieder breit grinsend zurück. damit hatten sie wohl im biederen münchen, das sie erstmals besuchten, nicht gerechnet. johlen, pfeifen, beifall, textsicherheit zuweilen. nun, da war der ausgesprochen jugendlich wirkende bassist christopher dale ryan, der einen so wuchtig pulsierenden lauf aufbot, dass sich das magengewölbe neu formierte. dabei waren christophers ausführungen mit schwung und einer ungewöhnlichen eleganz versehen. stets im blickkontakt mit seinem rhythmuskollegen hinter der schießbude, ließ sich der die vier saiten bedienende nicht das wasser abgraben und kreierte ein ums andere mal etwas überraschendes. da nicht in konkurrenz, sondern beileibe (im wahrsten sinne des wortes) zugewandt und aufeinander angewiesen, ließ auch der schlagzeuger dennis ryan nichts unversucht, um den beat zu einer vollmundigen verstärkung werden zu lassen. sein spiel war fein austariert. bei aller energie, die er abzugeben wusste, achtete er auf softe elemente, die weder garnierten noch abrundeten, die vielmehr beständiges bestandteil seiner kunst waren. hier die wirbel, dort das tickern, immer wieder ein leicht vertracktes spiel, anzüglichkeiten, die sich, wenn man genauer hinsah, auf seinen tattoos fortsetzen. links von ryan tauchte an diesem abend der keyboarder rob crowell leider etwas ab. was vor allem daran lag, dass sein instrument zu leise war. selten nur hörte man in ausreichender lautstärke den reigen seiner möglichkeiten. wenn, dann schillerte vor allem die hammondorgel durch und versetzte der differenzierten musik einen zusätzlichen kick. doch so wie crowell etwas im abseits platziert war, so wurde an diesem abend wohl auch seine rolle definiert. sehr schade. in der front, deutlich präsenter also, der gitarrist ian o'neill. mit seinem wuschelkopf und in ein jacket gewandet schon auffällig genug, gefiel er dennoch umso mehr mit dem, was er auf seinem instrument zu leisten in der lage war. drall verpassend, akzente setzend oder aber auch teamspieler zu sein, der möglichkeiten waren viele gegeben, alle wurde ausgenutzt, alle rollen ausgefüllt. das dunkelrote gerät, alles andere als ein effektvolles accessoire, wirkte wie eine andauernde jugendkur: belebend, vitalisierend, ermunternd.

    mehr hier: http://dasklienicum.blogspot.de/2014/02/konzert-deer-tick-050214.html

    Mi., 5. Feb. – Deer Tick, Samantha Crain
  • innen: welt. festival 2014

    Gen 14 2014, 19:16

  • konzert: puls festival 2013

    Dic 2 2013, 8:18

    aus on3 festival wurde puls festival, was blieb, war bewahrenswertes, was angepasst oder verändert wurde, hatten einen wert. diese kleinen details, die man bemerken konnte, wenn man lange jahre treuer gast dieser wunderbaren veranstaltung war, fielen zunächst auch nur auf den zweiten blick auf. eine aufstockung der beleuchtungsmittel zum beispiel, die bessere ausstattung mit sitzmöbeln im foyer, dass es auch im innenbereich etwas zum beissen gab, dass die bars zum teil besser besetzt waren und dass mit der kantine eine neue location erobert wurde, die etwas mehr raum für zuschauer bereithielt. ein paar kinderkrankheiten wurde ausgemerzt, andere leider nur zum teil bearbeitet. wie jedes jahr echauffierte ich mich auch heuer über das schwache und absolut unzureichende speisenangebot. aufgestockt zwar, aber für nachtschwärmer nicht immer die richtige alternative bereithaltend. im hof ein paar büdchen würden dem ganzen einen feinen schliff verleihen. das bier aus einer sozial engagierten brauerei allerdings gehört erwähnt und gelobt.
    zwei studios also und ein weiterer saal hielten eine ansehnliche musikermeute bereit, die von rap über elektropop bis new weird bavaria bieten konnte, was das zuschauerherz begehrte. wie immer musste man sich entscheiden, was wir auch taten.

    ihr debütalbum wird zwar erst im kommenden jahr erscheinen, doch bereits jetzt ist maria scheiblhuber und ihre art des auftritts in aller munde. die ungewöhnliche kombination aus harfe nebst elektropop darf nicht nur die dankenswerte genrebezeichnung - weil magie implizierend - folktronic tragen, sondern auch für sich selbst stehend schon für furore sorgen. da steht dieses riesige gerät auf der noch viel größer scheinenden bühne und muss zu allem überfluss von der moderatorin des puls festivals gar noch bezeichnet werden, als wäre das internetverseuchte rund längst abgängig all des normalen. das war ein sicherer tritt ins fettnäpfchen, ein faux pas der dümmlichen art. denn gerade die, die sich ins studio 2 zu mariemarie begaben, zog weniger neugier als wissen dorthin. der mal stampfende, dann wieder tänzelnde beat forcierte die unternehmung dieser truppe, der ein drummer beiwohnte sowie drei streicher und ein elektrogerätemeister, der zuvorderst für eben jenen rhythmus verantwortlich zeichnete. leider gingen unter seinem diktat auch hin und wieder die gestrichenen noten unter. dabei webten sie die zauberbögen unter den stimmstarken gesang. neben der imposanten, weil aufgehübschten erscheinung maries glänzte vor allem ihr wunderbares tönen, welches in hallwolken geschossen raumfüllend und zauberhaft schien. gleissend die lichter, zwirbelnd die harfe, stolz das cello und die violinen, pulsierend der beat und alles beherrschend, manisch bewachend, immer wieder ob des erfreuten publikums lachend: die frontfrau. songs wie etwa "20 steps to heaven" oder "cotton candy hurricane" gehen wirklich gut ins ohr, weil sie seelenbewegt sind und weil sie ins mark des tanzbeins treffen. manchmal wünschte man sich an diesem abend die akustische variante, weil sie die stärken von mariemarie hervorgehoben hätten. und dann gab es da noch die momente, in den man glaubte, jetzt dreht sich die chose nur um sich selbst. die fäden unscheinbar und doch werden an ihnen bunte fähnchen drappiert. nur keiner weiß warum. da blieb begeisterung aus, diese songs hielten nicht, was keiner zuvor versprach. klar ist aber, diese band, diese junge frau haben viel potential, das sich in können und meisterschaft gründet. abgeholt gehört es hie und da noch.

    Mariemarie
    wyoming


    mehr hier:
    http://dasklienicum.blogspot.de/2013/12/konzert-puls-festival-2013.html
    Sa., 30. Nov. – PULS Festival 2013
  • scott matthew, 11.11.13

    Nov 13 2013, 10:15

    das war mein moment an diesem abend: "come let me love you / let me give my life to you / let me drown in your laughter / let me die in your arms / let me lay down beside you / let me always be with you / come let me love you / come love me again". das john denver liebeslied "annie's song" sang Scott Matthew an diesem abend derart ergreifend, dass mir die tränen in den augen standen. wer mich kennt weiß, dass ich nur bedingt zu solch emotionalen entgleisungen neige, aber an diesem abend gelang dem new yorker barden etwas, was ich in seinen letzten konzerten vermisste. distanz. distanz zum material, die es ihm erlaubte, eindringlicher und immanenter zu sein. das losgelöst sein von der eigenen not, den existentiellen kümmernissen, der bedarftheit gibt matthew die kraft und eine art segen, sich neu zu öffnen, auf eine weise innigkeit zu demonstrieren, die weitaus tiefer geht, als dass sie gelingen mag, wenn man selbst um sein seelenheil ringt. so zeigte sich am fortgeschrittenen abend in den münchner kammerspielen ein mehr als aufgeräumter und sich zu späßen eingeladen fühlender entertainer, der um seine gunst in der bajuwarischen hauptstadt wusste. scherze und minimale anekdoten, dazwischen eine kleine textunsicherheit oder die abstimmung mit den sideparts, nichts, was ihn aufhielt, vom auftritt selbst angetan zu sein. selten sah man matthew so aufgeräumt.
    aus der dritten reihe beobachtend, erlangte man also blick auf einen mann, der die bitternisse nicht mit füssen tritt, der sich ihnen übergibt, um sich wieder aus ihnen zu befreien.
    was ihn unterscheidet.
    seine verfügungen sind schließlich keine blaupausen, dafür mutmacher und atteste für ein erfolgreiches ringen um persönliche freiheit und integrität.

    neben dem langzeit kumpanen eugene lemcio, der die elektronik bediente und sich an flügel bzw. e-piano verdingte und dabei merklich im hintergrund blieb, fiel vor allem der wunderbar aufspielende jürgen stark an diversen gitarren auf. selten zu läufen herausgefordert, gänzlich abzusehen von soli, perlten die töne aus seinen halbakustischen bzw. elektrischen gitarren, als würden sie gerade erst geboren. wie aus erster hand erklangen aus stolz und meisterschaft die melodien, griffen die bassgrundierungen und hatten bestand die rhythmischen verflechtungen. ein ums andere mal erstaunte der junge mann mit einer einfühlsamkeit und reduktion, dass man sich nur ärgerte, nie vorher von ihm gehört zu haben. denn verpasst haben musste man ihn allemal. wie sachte er die saiten nahm, sie strich und mit den fingerkuppen belegte, sie zur richtungsweisung zwang, ganz nach gutdünken seines meisters, das war oft erstaunlich, mehr noch klang alles unpräentiös und dabei sehr vital. für einige lieder wurde die truppe um dem zündfunk moderator tobi ruhland am hackbrett ergänzt. eine folkloristische einlage und nicht mehr als eine fußnote.

    weiter gehts hier:
    http://dasklienicum.blogspot.de/2013/11/konzert-scott-matthew-111113.html

    Mo., 11. Nov. – Scott Matthew
  • konzert: susie asado, 05.11.13

    Nov 11 2013, 9:06

    für manche mag das normal sein, für andere eben nicht. die kreise sind eng gezogen. die begegnungen begrenzt. was man fürderhin alltag nennt, bewahrt auch und sorgt für sicherheit. entzieht man sich, fordert man belebung ein und läuft möglichen gefahren direkt in die arme. ein wagnis nicht nur, fremde in sein haus zu lassen, sondern darüber hinaus auch sie durch bekannte zu ergänzen. dann mischen sich die perspektiven. die kontraste werden hervorgehoben und aus absichten werden vielleicht feste verabredungen und aus mutmaßungen gewissheiten. abende, an denen bei uns welten aufeinander treffen, schärfen unseren blick für lebendigkeit und für den mut sich dem bekannten, aber auch immer wieder neu dem unbekannten zu stellen.

    mit susie asado alias josepha conrad nebst Ariel Sharratt und Mathias Kom, letztere leicht the burning hell zuzuordnen, durften wir musikalische prominenz der besonderen güte begrüßen. die fleißig tourenden schrammten unser örtchen und ließen sich bereitwillig auf das abenteuer hauskonzert ein. mit knapp zwanzig gästen ließ sich das beengte gut ertragen, und die eigentlich angestrengte intimität dieses mehr als einstündigen moments blieb dank des entgegenkommens der künstler als auch der natürlichen empathie insbesondere susie asados von vornherein auf der strecke. so standen genuss und ein abend ohne reue auf dem plan, an welchem man aufmerksam den philosophisch getränkten liedern und zwischenberichten der in berlin lebenden künstlerin folgen konnte.

    geschichten, die oft nur, als würde die zeit still stehen, einen kleinen ausschnitt betrachten. die details aufs tableau bringen, die andere unbeachtet vorbeiziehen lassen. aus denen heraus sich aber reflexionen über das leben verallgemeinern lassen. die große kunst von susie asado, die ihre musik gern auch als kollektives erlebnis versteht, bei dem sich kollegen die klinke in die hand geben und wechselnde besetzungen bedeuten, den klang eines stücks zu varrieren, ihm aber nicht den kern zu entziehen. sei wachsam, beobachte die welt um dich herum, mach sie dir zu eigen, wenn du sie keinem stiehlst. nimm die magie eines augenblicks wahr und teile sie mit anderen. such nach der kindlichen freude, wenn du sie unterwegs verloren hast, und wenn du sie gefunden hast, halte sie fest und gib auf sie acht.

    so erfindet susie asado bilder, die auch dem hörer sofort plausibel erscheinen, weil sie unausgesprochene wahrheiten transportieren, oder weil sie momente beleben, von denen man längst eine ahnung hatte. wie das bild vom ehemaligen flughafen tempelhof, der der künstlerin das vertrauen darin gibt, dass es immer wieder ein vorwärts, ein weiter oder ein gutes ende gibt. "onward aeropuerto", worte, die einem mantra ähnlich vertrauen und sicherheit zurückgeben. das gleichnamige lied steht auch dem aktuellen album vor, aus dem unter anderem auch die klangmeditation "cloud" vorgetragen wurde, da ariel sharrett lediglich die luft durch die klappen ihres instruments stieß, ohne dass der klarinette töne entstiegen, da mathias kom über die saiten seines basses streifte und sich so atmosphärisches einstellte, was einem einmal mehr sicherheit entzog. sicherheit auf ein unbelastetes leben. sicherheit darauf, dass sich alles so ergibt, wie man es sich wünscht. trügerisch, darauf zu vertrauen. der betrug lauert um die ecke. das weiß auch susie asado. und erzählt und singt von spionen und von strategien.

    wunderbar, der in frankfurt und chicago aufgewachsenen zuzusehen, wie sie ihre lieder mit blicken und gesten, mit freudigen augen illustriert, wie sie die begegnung mit ihrem publikum sucht und zugleich ihre mitstreiter einzubinden weiß. während sie mittels ukulele oder kleiner gitarre vorgaben machte, folgten mathias und ariel willig und malen das noch unfertige bild im rahmen nach eigener coleur mit aus. hier der gründende bass, mit flinker und sicherer hand geführt, dort die klarinette, die zirkulieren und ausformen darf, die akzente setzt und so lustvoll und aufbrausend klingen kann, unterstreicht und betont. denn neben dem narrativen charakter erheben die lieder susie asados anspruch auf nachdruck. wenngleich sie oft mit gleichmut vorgetragen sind, fallen doch die worte nicht als bloße hülse unscheinbaren inhalts, sondern wollen verstanden und verhandelt werden. doch auch der zweifel ist nicht fremd, und nicht alles kann auf den punkt gebracht werden. nicht zuletzt ist es ausdruck dafür, dass noch etwas kommt, das man nicht kennt, nicht kennen kann.

    Di., 5. Nov. – susie asado
  • konzert: the wave pictures, 28.10.13

    Ott 30 2013, 17:31

  • konzert: the wave pictures, 27.10.13 / 28.10.13

    Ott 30 2013, 17:29

    es war ein grandioser auftritt, den The Wave Pictures am sonntagabend im rosenheimer club 'hole' hinlegten. dank der bemühungen des heimischens bebop plattenladens fanden die londoner drei in die oberbayerische idylle. der langgezogene club, sonst heimat für techno- und tanzverliebte, funktionierte schnell um zu einer hausgemachten sessionbühne, auf der sich david tattersall und kollegen alsbald zuhause fühlten. zwar fand vor ihnen stehend gerade mal ein handvoll besucher platz, dafür versammelten sich rechts der bühne deutlich mehr zuschauer, die sich in das schlauchgewölbe drängten. ungewöhnliche verhältnisse, die the wave pictures offenbar mit einer ganz gewöhnlichen sause beantworteten. nichts verhieß, dass die band über die strenge schlug und nichts weiter als das tat, was sie sonst auch immer tut. verbindlich musizieren. das ist wohl das entscheidende merkmal: verbindlichkeit. nimmer müde, dem gegenüber das zuteil werden zu lassen, was er erwarten konnte, wofür er bereit war zu zahlen. dass sich dann der abend aber alsbald so gestaltete, dass über das normale maß hinaus gearbeitet wurde, lag dann wohl eher an der sich zunehmend entspannenden beziehung zwischen publikum und den drei ausnahmekönnern.

    den dreien steht unumwunden david tattersall vor, der neben dem gesang eine ungemein agile e-gitarre mitbringt. auf ihr ist er zu allem in der lage, was uns an unmöglichkeiten einfällt. stakkati, träumerische mutmaßungen, ausuferndes gegniedel, das sich nie in langeweile zerfasert, rhythmisches anklopfen, das immer auch ein wenig mehr will, traumhafte harmonien, legendäre melodien. es schien, als würde die rauchgeschwängerte luft anfangen zu glitzern, wenn david aus der hohlen hand anfing zu brillieren. wie leicht und gefügig seine finger über die saiten flitzten, und wie wenig sich die musikalische verwegenheit in seinem antlitz widerspiegelte. im gegenteil blieb er verhalten und in sich ruhend. sein ungeöltes organ besang ein ums andere mal das trauliche leben eines fleißig tourenden und vor allem eines umsichtig beobachtenden. dessen geschichten nicht munterer sein können als der rest der band ist. introvertierter, aber nicht wenig auftrumpfend: der bassist francie rozyczki. seinen bemühungen ist es zu verdanken, dass jederzeit der groove stimmte. konnten die kollegen noch so ausbrechen, franic sorgte für stabilität und eine sichere beheimatung im soundgebilde. jederzeit herr der lange rang er sich dennoch ebenfalls immer mal wieder ein i-tüpfelchen ab, eine klangliche besonderheit, so riss er die saiten im bündel an sich und traktierte sie mit seinem plektrum oder aber schmiegte sich ganz gegenteilig in den melodienbogen und trug mit sanfter harmonie selbst zum mitsingen bei. überhaupt: mitsingen! rosenheim sang an diesem abend, und wenn es nur die gassenhauer waren, oder aber auch die lou reed cover, die an diesem eigentlich traurigen anlass intoniert wurden, erhielten vielfaches stimmvolumen.
    bereichernd sicher, dass the wave pictures aus einem riesigen arsenal schöpfen können.

    mehr hier:
    http://dasklienicum.blogspot.de/2013/10/konzert-wave-pictures-271013-281013.html

    So., 27. Okt. – Bebop Schallplatten präsentiert The Wave Pictures
  • konzert: the wave pictures, 27.10.13 / 28.10.13

    Ott 30 2013, 17:29

    es war ein grandioser auftritt, den The Wave Pictures am sonntagabend im rosenheimer club 'hole' hinlegten. dank der bemühungen des heimischens bebop plattenladens fanden die londoner drei in die oberbayerische idylle. der langgezogene club, sonst heimat für techno- und tanzverliebte, funktionierte schnell um zu einer hausgemachten sessionbühne, auf der sich david tattersall und kollegen alsbald zuhause fühlten. zwar fand vor ihnen stehend gerade mal ein handvoll besucher platz, dafür versammelten sich rechts der bühne deutlich mehr zuschauer, die sich in das schlauchgewölbe drängten. ungewöhnliche verhältnisse, die the wave pictures offenbar mit einer ganz gewöhnlichen sause beantworteten. nichts verhieß, dass die band über die strenge schlug und nichts weiter als das tat, was sie sonst auch immer tut. verbindlich musizieren. das ist wohl das entscheidende merkmal: verbindlichkeit. nimmer müde, dem gegenüber das zuteil werden zu lassen, was er erwarten konnte, wofür er bereit war zu zahlen. dass sich dann der abend aber alsbald so gestaltete, dass über das normale maß hinaus gearbeitet wurde, lag dann wohl eher an der sich zunehmend entspannenden beziehung zwischen publikum und den drei ausnahmekönnern.

    den dreien steht unumwunden david tattersall vor, der neben dem gesang eine ungemein agile e-gitarre mitbringt. auf ihr ist er zu allem in der lage, was uns an unmöglichkeiten einfällt. stakkati, träumerische mutmaßungen, ausuferndes gegniedel, das sich nie in langeweile zerfasert, rhythmisches anklopfen, das immer auch ein wenig mehr will, traumhafte harmonien, legendäre melodien. es schien, als würde die rauchgeschwängerte luft anfangen zu glitzern, wenn david aus der hohlen hand anfing zu brillieren. wie leicht und gefügig seine finger über die saiten flitzten, und wie wenig sich die musikalische verwegenheit in seinem antlitz widerspiegelte. im gegenteil blieb er verhalten und in sich ruhend. sein ungeöltes organ besang ein ums andere mal das trauliche leben eines fleißig tourenden und vor allem eines umsichtig beobachtenden. dessen geschichten nicht munterer sein können als der rest der band ist. introvertierter, aber nicht wenig auftrumpfend: der bassist francie rozyczki. seinen bemühungen ist es zu verdanken, dass jederzeit der groove stimmte. konnten die kollegen noch so ausbrechen, franic sorgte für stabilität und eine sichere beheimatung im soundgebilde. jederzeit herr der lange rang er sich dennoch ebenfalls immer mal wieder ein i-tüpfelchen ab, eine klangliche besonderheit, so riss er die saiten im bündel an sich und traktierte sie mit seinem plektrum oder aber schmiegte sich ganz gegenteilig in den melodienbogen und trug mit sanfter harmonie selbst zum mitsingen bei. überhaupt: mitsingen! rosenheim sang an diesem abend, und wenn es nur die gassenhauer waren, oder aber auch die lou reed cover, die an diesem eigentlich traurigen anlass intoniert wurden, erhielten vielfaches stimmvolumen.
    bereichernd sicher, dass the wave pictures aus einem riesigen arsenal schöpfen können.

    mehr hier:
    http://dasklienicum.blogspot.de/2013/10/konzert-wave-pictures-271013-281013.html

    So., 27. Okt. – Bebop Schallplatten präsentiert The Wave Pictures
  • konzert: anna von hauswolff, uphill racer, 11.10.13

    Ott 26 2013, 10:30

    das orangehouse auf dem feierwerkgelände ist ein wirklich feiner club. das programm meist wohlgelitten, insgesamt ganz ok geschnitten - selten ist es so voll, dass man hinter einem pfeiler stehend weniger als alle anderen zu sehen bekommt - die akustik betreffend vermutlich mittelmäßig angelegt und in der regel mit freundlichem personal besetzt. man kann nichts anderes behaupten. dass sich angrenzend an diese location weitere befinden, wissen nicht nur die eingeweihten. hansa 39 heißt die eine oder kranhalle die andere, beiden liegen in spuckweite. mit dem sunny red aber bietet das vor kultur strotzende ehemalige industriegelände einen konzertraum wand an wand zum orangehouse auf. das gestrige konkurrenzprogramm aus diesem heiß glühenden laden schickte mal wieder seinen grollen beat unter die fußsohlen der orangehouse besucher - die in der regel das etwas betulichere angebot an musikwaren schätzen. die konfrontation ist unmittelbar und direkt, nicht nur, wenn man das gemeinsame klo mit den verschwitzten besucherkollegen aus dem sunny red teilt. es muss konstatiert werden, dass das tonale durcheinander zuweilen störend ist, den genuss gerade von leisen tönen zu deutlich beeinflusst. das muss sich ändern!
    mit anna von hauswolff und uphill racer tischte das orangehouse am frischen freitagabend ein wirklich tolles angebot auf. hier die, und das ist durchaus wohlwollend gemeint, gehypte junge schwedische musikerin, dort der etablierte lokalmatador.

    oliver lichtl ist Uphill Racer, uphill racer ist oliver lichtl. der etwas schwer zugängliche moniker ist letztlich aber doch eine musikalische verheißung, verspricht er neben dem experiment, neben dem wagnis auch den aufgalopp und das achtungsheischende äquivalent. auf den ersten blick das unverträgliche, auf den zweiten das symbiotisch zueinander stehende. der elektronische rahmen, im heimischen studio zusammengefrickelt, wird während des liveauftritts ergänzt um komponenten wie e-gitarre, akkordeon oder eine steel drum, die schon mal karibisches flair unterjubelt. dass die wirkung am ende eine organische, wie von natur aus freimütig gehändelte ist, macht den zauber der musik des im münchner norden lebenden ein mann projektes aus. die diversen sounds fügen sich unter dem strengen regime uphill racers zu einer liquiden masse, mit der der künstler zu spielen in der lage ist. die er mal in die eine richtung, es wird statisch, texturen, die auf einer stelle kreisen und dabei neue farbkreationen hervorrufen, mal in eine andere richtung schickt, aus der wir mit popmomenten versorgt werden. so fällt man aus dem rhythmischen taumel in ein innehalten, das vom gegenüber auf der bühne problemlos kontrolliert wird. die fäden spinnen sich von hier nach dort, und wäre der auftritt ein wenig länger, hätte man sich verbandelt und wäre eins geworden. denn, was man braucht, ist zeit. während man zunächst nur den schatten dieses musikalischen breitbandangebots betritt, echoisiertes rückt die ferne ins licht, erreicht man den glanzplatz des ausdrucks erst später. wenn man den wendungen, den gezielten verstrickungen weniger sinn als emotionale tiefe abzuringen in der lage ist. das aufgeräumte gesicht des musikers in den pausen zwischen den einzelnen liedern macht platz einer entrücktheit, einer verstiegenheit, die überzeugend zeugnis ablegt von den einsamen momenten, da man sich die note abringt, die zählt. mein highlight neben dem neblig verhangenen track "nautious" vom aktuellen album "golden anchor" war "spiral", welches bereits gut sechs jahre auf dem buckel hat. live nicht weniger beeindruckend wie auf tonträger. danke.

    das wenige, was uphill racer für seinen auftritt benötigte, war schnell geschichtet und von der bühne getragen. der zweite gitarrist der Anna Von Hauswolff zugehörigen band breitete flink seine pedale aus und alsbald konnte es losgehen.
    wer aber die pastorale tiefenwirkung des sounds vom aktuellen album "ceremony" erwartete, wurde zunächst grundlegend enttäuscht. denn was der fünfer da auf der bühne zelebrierte, geriet eher zu einer progavantgardistischen messe nebst psychedelischer einlässe, die manches mal an amon düül II und ähnliche kaliber erinnerte. erst das stimmliche entweichen der langmähnig blonden zollte tribut dem angemessenen lohn, den anna von hauswolff dieser tage einheimste für ein zweites album in ihrer musikalischen vita, die so außergewöhnlich wie einnehmend ist. orgelmachenschaften, die süffig und abgeklärt zugleich sind, die unmittelbar in den bann ziehen und doch für eine unüberwindliche distanz sorgen. gefühle, die so auf breitenwirkung angelegt sind, dass sie für den einzelnen nur eine entfernte träumerei darstellen. etwas religiöses liegt dieser musik anheim, etwas schweres, wie in molllastiger klassik, etwas weltfernes.

    mehr hier:
    http://dasklienicum.blogspot.de/2013/10/konzert-anna-von-hauswolff-uphill-racer.html


    Fr., 11. Okt. – Anna von Hausswolff