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  • Casiotone For The Painfully Alone // Konzert // Hamburg // Knust Mai 2009

    Ago 5 2009, 11:54

    Dieser Konzertbesuch resultierte aus meiner Begeisterung über den Bandnamen und ein oder zwei Videos, die ich im Netz entdeckt hatte - und zufällig ist Casiotone for the Painfully Alone aus Chicago tatsächlich drei Wochen später in der Stadt.

    Ich scheine die einzige Frau jenseits der 30 zu sein; es sind überhaupt nur sehr wenige Menschen anwesend, ein, zwei Dutzend am Anfang, was mir nach dem überfüllten Konzert der "Whitest Boy alive" wenige Tage vorher im Uebel und Gefährlich, schräg gegenüber, aber durchaus sehr angenehm ist. Ich bin nicht so für Käfighaltung, Atemnot und gedrängten, verschwitzten, unfreiwilligen Körperkontakt im Übermaß.

    Im Hamburger Knust sind vorwiegend Jungs anwesend, 4/5 davon Hornbrillenträger. Für einen kurzen Moment frage ich mich selbst, was mich hierher verschlagen hat. Die Jungs sehen alle ein klein wenig aus wie Moot, wahlweise in Ringel- oder Kapuzenpullis gekleidet.

    Was mich mehr als alles andere an diesem Abend umgehauen hat, war der Supporting Act, Concern. Vorbands sind bei Konzerten ja meist eher unangenehme Nebenwirkungen, die in Kauf genommen werden, um einen halbwegs akzeptablen Stehplatz abzubekommen.

    Diesmal war alles anders.

    Unvermittelt betritt ein Kapuzenpulliträger die Bühne. Kapuze tragend. Er setzt sich an eines der aufgebauten Keyboards. Das, was jetzt stattfindet, hat mehr Ähnlichkeit mit einem Vorspiel als mit irgendetwas anderem. Es scheint ein einziges Stück zu sein, frickelnd beginnend, langsam zu einer Art von Melodie findend. Apokalypse wow. Die Bank unter mir beginnt zu vibrieren. Ich lege mich hin, Platz genug ist ja vorhanden...

    Mit PopMusik im herkömmlichen Sinn hat das nicht wirklich viel zu tun. Elektronisches, tja, Gefrickel, das allerdings unter die Haut geht. Eine Stimmung, wie ich sie vorher nur bei Beth Gibbons erlebt habe, Gottesdienstähnlich, falls das noch irgendwem etwas sagt. Entgrenzend vielleicht. Laut. Angenehm. Als ob die Synapsen für eine halbe Stunde eine Auszeit nehmen und sich auf diese speziellen Schwingungen einlassen, sphärisch. Helikopteresk, auf eine Weise. Jedenfalls fern jeder Bodenhaftung. Großartig.

    Wie sich herausstellt: Eine Family Affair. Der große Bruder ist der Hauptact. Wie erwartet mit seiner angenehmen Stimme ein seltsamer Bruch hinter den Keyboards, humorvoll, verschroben, ziemlich geeky. Wunderbar für mich, bis zu dem Moment, als das Gedränge auf der Bühne größer wird und immer weitere Musiker hinzugebeten werden. Der Zauber verliert für mich dadurch nicht nur ein klein wenig von seiner Wirkung. Wegen des unvergesslichen Intros bleibt es aber trotzdem eines der sehr guten Konzerte in meinem Leben.

    Casiotone for the Painfully Alone
    Das ist mein Blogeintrag auf Kixkalogic über Cftpa
  • Soap & Skin live in Hamburg Kampnagel

    Mar 27 2009, 9:58

    Mi., 25. Mär. – Soap&Skin
    Meine Review auf Kixkalogic

    High Expectations – sehr schnell gehe ich mit gemischten Gefühlen aus Konzerten heraus, bei denen ich zuviel erwartet habe.

    Anja Plaschg ist es am 25. März auf Kampnagel allerdings gelungen, mir nicht nur meine Nackenhärchen aufzustellen und Gänsehaut von meinen Unterarmen bis zum Bauchnabel hervorzurufen. Großartig. Schüchterne Girlsm-Publikumskontaktscheu hin oder her. Das, was diese Frau macht und wie sie es macht, ist einfach umwerfend, entwaffnend überzeugend.

    Die 18-jährige, die an diesem Abend ganz in Schwarz die Bühne betrat, könnte von der Optik und vom Habitus her sehr gut die Tochter von Tim Burton und Helena Bonham Carter sein. Düster, elegisch, Alma Mahler-Werfelesque ist schon das Cover ihres Albums Lovetunes for Vacuum - einen Tag nach dem Konzert auf einem erstaunlichen Rang 28 der Verkaufscharts bei Amazon. Erstaunlich, weil die Musik der Grazerin alles andere als eingängig ist.

    Dunkel, melancholisch, die Stimme in einer Bandbreite von säuselnd bis kurz vorm Brüllen. Tief, sehr viel tiefer, als ich es bei einer so jungen und zarten Frau erwartet hätte. Alles zarte fällt allerdings in dem Moment von ihr ab, wenn sie sich in die Musik versenkt und mit der ihr eigenen Intensität die Tasten anschlägt, schneller und schneller wird.

    Ihre Stimme in Kombination dazu, nicht zu glatt und gefällig, an einigen Stellen sehr markant und rau. Das ist kein Einschmeicheln, das ist Abstand halten: bleib draußen Welt. Ein weiterer Bruch ist ihr Sound vom Laptop, vom Fiepen, rhythmischen Beschleunigen bis zum Bienensummen und Vogelgezwitscher ist alles dabei.

    Sie spielt mit Bildern der Vergangenheit, mit den Bildern im Kopf der Zuschauer. Wenn sie sich zum Abschluß vom Flügel und Laptop entfernt - hinten herum und erst im letzten Moment ans Standmikrofon vorne am Bühnenrand tritt und ihren Raum im gleißenden Lichtkegel einnimmt. Dann ist die Optik eher bei Juliette Greco, die Augen schwarze Höhlen, die Haut nur noch weiß. Eine Lichtgestalt auf schwarzer Bühne, die alterslos Brücken zwischen Jahrzehnten schlägt.

    Soap&Skin
    Lovetune for Vacuum
  • Camille in der Hamburger Fabrik 4. Juni 2008

    Lug 19 2008, 18:01

    Mi., 4. Jun. – Camille

    Großartiges Konzert ! - Camille gurrt und schnurrt, lallt und hallt, robbt und tobt, wechselt zum Piano und gibt ein ganz ruhiges Stück. Im Ganzen sehr vielseitig, vielschichtig und abwechslungsreich, dabei von unglaublicher stimmlicher Bandbreite. Beatbox, Bodypercussion, Loops, akustisch variierend. Von Anfang an hat sie eine Ausstrahlung, die vermittelt, dass sie sich die Fäden nicht aus der Hand nehmen lässt, sehr autonom über ihren Auftritt und ihre Musik bestimmt, so unkonventionell sie sowohl vom Klang als auch von der Performance her sein mag.

    Die ganze Besprechung in meinem Blog:
    Camille Konzert bei Kixkalogic
    Camille
  • Scott Matthew am 13. April 2008 auf Kampnagel

    Apr 14 2008, 18:06

    So., 13. Apr. – Scott Matthew

    Herzzerreißend behutsame Kammermusik

    Als Intro wurden drei Stücke solo am Flügel von seiner Pianistin gespielt - die perfekte Einstimmung auf die anderthalb folgenden Stunden in Schwarz.

    Scott Matthew – oszillierend zwischen Drama-Brummbär und fidelem Backfisch - wurde außerdem von einem Cellospieler und einem E-Bass-(und Zupfinsturmente)spieler begleitet, der sich am Ende auch noch an den Flügel setzte...

    Das behutsam inszenierte Konzert war atmosphärisch extrem dicht, die melancholischen Songs wurden von Scott Matthew - höchst erfreut über den Zuspruch des Publikums - miteinander verbunden.

    Die Musiker wirkten im Zusammenspiel sehr konzentriert, was einige Momente echter Gänsehaut hervorbrachte. Groß !

    Eigentlich sollte nach einer Stunde Schluß sein, doch die Musiker kamen mehrfach nochmals auf die Bühne. U.a. Neil Young und "Love will tear us apart" wurden als Zugaben gespielt. “Wir haben keine Songs mehr” ... äh, achso – wie wäre es mit einer Wiederholung von “In The End”? ;-) Dankbar für diesen Vorschlag aus dem Publikum – er konnte es wirklich fast nicht fassen, dass es schon großartig wäre, einen Titel ein zweites Mal zu hören - schüttelte er nach dem Stück begeistert die Hand des Vorschlagenden. “What a Deja Vu” lachte Scott Matthew kopfschütttelnd.

    Scott Matthew

    [youtube]http://de.youtube.com/watch?v=F5Q_04EGGaE&feature=related[/youtube]

    Scott Matthews
    Website


    Scott Matthew auf MySpace