RSS
  • Sunrise Avenue 15.07.2011

    Lug 20 2011, 8:46

    Fr., 15. Jul. – Sunrise Avenue

    Die Sonne geht auf über Alzenau

    »Alzenau Rockt«: Die finnische Band Sunrise Avenue sorgt beim Open Air auf dem Burgplatz für Hits und gute Laune

    Am Straßenrand in Richtung Alzenauer Waldschwimmbad machten sich am Freitagabend zu später Stunde zwei Damen an einem Plakat zu schaffen. Wenn's schon keine Autogramme gab, dann doch wenigstens ein Poster als Erinnerung, meinten sie. Besagtes Stück Pappe zeigte die Band Sunrise Avenue und wurde nun Opfer der hellen Begeisterung, für die die Musiker kurz zuvor mit ihrem Auftritt bei »Alzenau Rockt« gesorgt hatten.



    Denn Alzenau rockte an diesem Abend wirklich. Es war ein wahrer Glücksgriff, die finnische Band für das Open-Air-Spektakel auf dem Burgplatz zu gewinnen. Schon am späten Nachmittag stand nicht nur die Stadtjugend Schlange, um auf den Einlass zu warten. Ein bunt gemischtes Publikum fand sich ein.

    Die mussten sich allerdings etwas in Geduld üben. Denn los ging es zunächst mit zwei Opening Acts, Kensington Road aus Berlin und Hartmann, die Truppe um den Musiker Oliver Hartmann. Alternativ zu diesen Appetitmachern ließ es sich an diesem Abend auch sehr nett durch die Stadt flanieren. Dort waren nämlich die Geschäfte geöffnet, und an jeder Ecke gab es Unterhaltung, Essen und Trinken. Ein perfekt organisiertes Rahmenprogramm.
    Um Punkt 22 Uhr war es dann endlich soweit: Sunrise Avenue eröffneten mit »Forever Yours« ihre Show. Mittlerweile hatten sich eine Menge Fans eingefunden. Zwar war weiter hinten noch Platz zwischen den Menschen. Aber weiter vorn herrschte dichtes Gedränge. 3000 Tickets waren laut Veranstalter zu Beginn der vergangenen Woche verkauft - diese Zahl wurde definitiv überschritten.
    Kein Wunder: Sunrise Avenue erfreuen sich großer Beliebtheit. Schon einmal waren sie in Unterfranken, nämlich 2010 im Aschaffenburger Colos-Saal - und der war ausverkauft. Ihre Mischung aus Pop und Alternative kommt an. Mit ihrer ersten Single »Fairytale Gone Bad« 2006 haben sie sich ihren Platz in der Musikwelt gesichert und ihn seither erfolgreich verteidigt. Nun waren sie zurück im romantischen Open-Air-Ambiente unter der Alzenauer Burg.
    Viele der Songs, die die Finnen dabei hatten, stammen von ihrem aktuellen Album »Out Of Style«: »I Don't Dance« zum Beispiel, das sie zwischendurch mit dem funkigen 90er-Jahre-Hit »Everybody Dance Now« ironisch unterbrachen. Bei »Sex & Cigarettes« erkannte man plötzlich »Wind Of Change« - hübsche kleine Überraschungen. Und da »Alzenau Rockt« ja auch von HR 3 präsentiert wurde, ließen es sich Sunrise Avenue nicht nehmen, zwischendurch ein paar typische Radiohits anzuspielen: »No Woman No Cry«, oder »Forever Young« waren dabei. Natürlich warteten alle auf den Song von Sunrise Avenue, der seit Wochen im Radio rauf- und runterläuft: »Hollywood Hills«. Der kam nicht etwa erst zum Schluss, sondern in der Mitte des Sets.
    Hier hielt es niemanden mehr vom Mitsingen und Klatschen ab. Bei »Stormy End« gab es auch mal ruhigere Töne und siehe da, ein paar Wunderkerzen blitzten zwischen den leuchtenden Digitalkameras auf. Als besonderes Schmankerl spielten die Jungs dann ein Stück, das es auf kein Album geschafft hat: »Somebody Will Find You Someday« - nach einer wahren Geschichte, wie Sänger Samu Haber verriet.




    Auf keinen Fall fehlen durfte »Fairytale Gone Bad«, der erste große Hit von Sunrise Avenue. Eigentlich im Radio schon totgespielt, aber live erfrischend lebendig. Überhaupt bewies die Band an diesem Abend, dass sie mehr kann als ihre Kollegen aus den Castingshows, die nach dem obligatorischen Charthit wieder in der Versenkung verschwinden. Denn Sänger Samu kann auch live singen, alle Bandmitglieder beherrschen ihre Instrumente und jeder Song ist ein kleines Werk für sich. Die eingängigen Melodien klingen nicht voneinander abgekupfert.
    Die Fünf versprühten auf der Bühne eine Energie und Spielfreude, die man vielleicht gar nicht erwartet hätte, wenn man nur mal in ihre Alben reingehört hatte. Sänger Samu war ruckzuck nass geschwitzt, alle anderen tobten sich an ihren Instrumenten aus und gönnten sich nur kleine Verschnaufpausen.
    Mit »Get Nasty« verabschiedeten sie sich um 23.30 Uhr aus Alzenau und hinterließen jede Menge gute Laune und strahlende Gesichter im Publikum. Finnland ist eben nicht nur die Wiege düsterer Klänge von Bands wie Nightwish oder Him. Gut, dass Sunrise Avenue mit diesem Klischee aufgeräumt haben. Sie dürfen gerne wieder kommen und - dieses Wortspiel muss erlaubt sein - die Sonne über Alzenau aufgehen lassen.


    Quelle: Main-Netz