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  • Jahrespoll 2009

    Gen 3 2010, 23:58

    10 Alben des Jahres
    01) Iamx – Kingdom Of Welcome Addiction
    02) Archive – Controlling Crowds (Part I-III & IV)
    03) Junius – The Martrydom Of A Catastrophist
    04) Fever Ray – Fever Ray
    05) Bring Me The Horizon – Suicide Season (Cut Up)
    06) Bat For Lashes - Two Suns
    07) Moby – Wait For Me
    08) Thursday – Common Existence
    09) Celeste – Misanthrope(s)
    10) Lowood – Close To Violence

    10 Songs des Jahres
    01) Turboweekend – Up With The Smoke, Down With The Ash
    02) Editors – In This Light And On This Evening
    03) Troels Abrahamsen – End Scene
    04) Amenra - Am Kreuz
    05) Arms And Sleepers – The Motorist
    06) Phantogram – Bloody Palms
    07) The xx – Crystalised
    08) Isis – Ghost Key
    09) Röyksopp – This Must Be It (Apparat Remix)
    10) Soap&Skin – Spiracle

    5 Konzerte des Jahres
    01) Iamx - Berlin, Festsaal Kreuzberg
    02) Soap&Skin - Hamburg, Kampnagel
    03) Archive - Berlin, Huxleys
    04) Fever Ray - Berlin, Berghain
    05) Nils Frahm - Börnsen, Bei Klaus

    Club des Jahres
    Baalsaal, Hamburg

    Festival des Jahres
    Melt! Festival

    Schlechtestes Album des Jahres
    The Sorrow - Origin Of The Storm

    Enttäuschung des Jahres
    Dredg - The Pariah, The Parrot, The Delusion

    Überraschung des Jahres
    Health - Get Colour

    Soundtrack des Jahres
    Jamin Winans - Ink OST

    Artwork des Jahres
    Turboweekend - Ghost Of A Chance

    Tourposter des Jahres
    Melt! Festival (den mit Lack und Prägung)

    Band des Jahres
    Archive

    Solokünstler des Jahres
    Moby

    Newcomer des Jahres
    The xx

    Hype des Jahres
    Frittenbude

    Vernachlässigstes Album des Jahres
    Fall Of Efrafa - Inlé

    Vernachlässigster Song des Jahres
    Phantogram – You Are The Ocean And I'm Good At Drowning

    Wiederentdecktes Album des Jahres
    *shels – Sea Of The Dying Dhow

    Wiederentdeckter Song des Jahres
    Omega Massif – Unter Null

    Videoclip des Jahres
    Cinnamon Chasers - Luv Deluxe

    3 Filme des Jahres
    01) Ink
    02) Män som hatar kvinnor
    03) Alle Anderen
  • Jahrespoll 2007

    Gen 2 2008, 22:53

    10 Alben des Jahres (2007)
    01) The End - Elementary
    02) The Ocean - Precambrian
    03) The Chariot - The Fiancée
    04) Poison the Well - Versions
    05) Long Distance Calling - Satellite Bay
    06) Devil Sold His Soul - A Fragile Hope
    07) Siva. - The Story Is Complete, But I Think We’ve Lost The Book
    08) Arsonists Get All The Girls - The Game Of Life
    09) A Whisper in the Noise - Dry Land
    10) Between the Buried and Me - Colors

    10 Songs des Jahres (2007)
    01) Bodi Bill - Very Small
    02) Kehlvin – Albatross
    03) Dúné – Go Go Valentina
    04) Architect – The Awakening
    05) Cassius - Homeauxthug
    06) Dustin Kensrue - Please Come Home
    07) Polarkreis 18 - Look
    08) Tephra – In The Valley
    09) Ephel Duath - Hole VI
    10) dälek – Abandoned Language

    Schlechtestes Album des Jahres (2007)
    Gas - Neue Zeit

    Enttäuschung des Jahres (2007)
    Oceansize - Frames

    Überraschung des Jahres (2007)
    Bodi Bill - No More Wars

    CD-Cover des Jahres (2007)
    Efterklang - Parades

    Band des Jahres (2007)
    Bodi Bill

    Solokünstler des Jahres (2007)
    Ólafur Arnalds

    Newcomer des Jahres (2007)
    War from a Harlots Mouth

    Hype des Jahres (2007)
    Interpol

    Liveband des Jahres (2007)
    Envy

    Wiederentdecktes Album des Jahres (2007)
    Laura - Mapping Your Dreams (2005)

    iederentdeckter Song des Jahres (2007)
    Jeniferever - From Across The Sea (2006)

    Videoclip des Jahres (2007)
    Laura - I Hope

    Film des Jahres (2007)
    Persepolis

    © written by christoph schwarze / www.christoph-schwarze.com
  • Fehler im System

    Giu 25 2007, 1:18

    Tue 5 Jun – The Used, Funeral for a Friend, Head Automatica

    "Bitte, was läuft hier denn schief?" Genau dieser Satz war es, den sich sicher einige an diesem Abend des Öfteren gedacht haben. Dass man zu der christlichen Zeit von 20:30 Uhr vor der Großen Freiheit, abgesehen von ein paar Flyerverteilern, nur ein paar Jungspunde sah, konnte einen zu Recht stutzig machen, schließlich war das Lineup namentlich gut besetzt: Head Automatica, Funeral for a Friend und natürlich The Used. Dazu letztere beiden sogar noch mit brandaktuellen Alben im Gepäck.

    Doch siehe da, einiges lief anscheinend wirklich schief - oder ging an vielen einfach kommunikativ vorbei. Nachdem kurz vor neun immer noch kein Ton aus der Halle erklang und irgendwie sich auch keine großen Massen hinein getrauten, durfte man sich nun auch ganz offiziell einen Kopf machen. Rein rechnerisch war es schon gar nicht mehr möglich, dass drei Bands an diesem Band spielen könnten und als danach die ersten Töne erklangen, waren das mit Sicherheit nicht Funeral For A Friend, die den Abend eröffnen sollten. Wo eben jene Band verblieben ist, ist dabei eine genauso ungelöste Frage, wie jene, wo die ganzen Leute waren. In der Freiheit zumindest nicht.

    Aber sind wir ehrlich und nennen das Kind beim Namen: verpasst haben sie nicht wirklich etwas! Zwar war es schon einen kleinen Zusatzapplaus wert, dass Daryl Palumbo & Co. endlich einmal den Weg nach Deutschland gefunden haben, nachdem dies zu Glassjaw-Zeiten nie möglich war. Doch Head Automatica wollten zu keiner Sekunde zünden, was nicht nur daran lag, dass der halbe Veranstaltungsort leer war, sondern vielmehr daran, dass das charakteristische der Band nicht rüberkam. Tanzbaren Indie von einer gefühlt drei Meter höhen Bühne und vor zurückhaltendem Publikum zu spielen, welches eh nur auf Bert wartete, ist schon undankbar, aber ist dann die Band selbst noch distanziert und etwas verloren auf der großen Bühne, tut es einem fast schon leid, wie Head Automatica ignoriert wurden. Unter diesem Gesichtspunkt ist es dann auch noch doppelt so hart, wenn man sich eingestehen muss, dass die Musik auf Platte wesentlich vielfältiger, wenn auch weniger rockig, klingt, was zwar live von Vorteil sein kann, aber eben das gewissen Quäntchen missen lässt.

    Genau das sollten auch The Used vermissen lassen, auch wenn Frontentertainer Bert McCracken – wie eigentlich immer – außerordentlich gut drauf war. Witzchen hier und da, Interaktion mit dem Publikum. Alles vorhanden. Ebenso das wunderbar angestimmte "Hoppe, hoppe, Reiter", was mit amerikanischem Slang durchaus amüsant klang. Doch irgendwann sollte damit auch einmal Schluss sein, denn spätestens beim dritten Mal hintereinander nutzt sich auch der beste Witz ab. Glücklicherweise etwas weniger verbraucht waren dann die alten Hits aus den Tagen von "The Used" und "In Love And Death", die nicht nur wegen ihrer Bekanntheit und Mitsingtauglichkeit recht unkompliziert ins Ohr gingen, sondern auch weil damals noch geröhrt werden durfte. Problem war nämlich ganz einfach, dass jene ruhigeren Songs und Neuere von "Lies For The Liars" einfach in den leisen Passagen stimmlich überhaupt nicht ankamen. Und zu Recht fragt man sich in solchen Momenten, welchen Job der Mann hinter den Soundreglern macht oder besser hätte machen sollen, damit The Used noch halbwegs glimpflich aus diesem Abend rauskommen könnten. Also irgendwas lief hier wirklich schief.

    © written by christoph schwarze / www.christoph-schwarze.com
  • Kurz und knapp

    Apr 19 2007, 1:08

    Thu 12 Apr – Raised Fist, I Hate Sally, To Kill

    Man stelle sich vor, es wäre ein Konzert und keiner ginge hin. Fast so geschehen im Karlsruher Substage. Da konnte einem die erste Band Berri Txarrak schon fast leid tun, bei der trotz hinausgezögertem Beginn hochgerechnet 35 Mann vor der Bühne standen. Dadurch dass das Substage nicht gerade winzig ist und der obligatorische Sicherheitsabstand von drei Metern bewahrt werden musste, war die gefühlte Anzahl allerdings noch erheblich geringer. Allein nur der Ansatz von Stimmung war also komplette Fehlanzeige. Und die Band trug dazu noch erheblich bei. Denn abgesehen von dem für einen Otto-Normal-Deutschen recht kryptischen Namen, wurde auch nur schwer verständliche Musik geboten. Das lag zum einen daran, dass die Texte in Baskisch gesungen werden und zum anderen daran, dass die Mischung aus Punkrock, Metal, Hardcore und zig anderen Geschichten einfach zu viel des Guten ist. So verlieren sich Berri Txarrak immer mehr in wilden Stil und Taktwechseln zwischen Ignite und System Of A Down und schlussendlich verstreuen sich die ohnehin wenigen Besucher in andere Ecken des Clubs.

    I Hate Sally hatten es da um einiges einfacher. Zwar herrschte immer noch gähnende Leere vor der Bühne, aber immerhin waren ein paar Leute sichtlich gespannt darauf, was wohl die wuselige Sängerin Dee Prescott so zusammenschreien würde. Das war zwar insgesamt nicht mehr als guter Durchschnitt, weil stimmlich wie instrumental eine gewisse Varianz fehlte, aber immerhin um einiges druckvoller als die Band zuvor. Zur Belohnung für eine engagierte Show an der Schnittstelle zwischen Punk, Hardcore und Metal sah man sogar ein paar Köpfe mitnicken und Füße mitwippen. Immerhin.

    Mit einer großen Menge Gespringe und Rumgehüpfe wollten To Kill dem noch eins draufsetzen, aber schossen sich mit eigener Plakativität selbst ins Abseits. Zwar fühlten sich ein paar zu diesem teils recht erfrischend old-schoolig angehauchtem Edger-Hardcore zum bewegen animiert, doch ein ebenso großer Teil konnte sich das Schmunzeln zu ad absurdum führender Straight-Edge-Propaganda nicht verkneifen. Gerade auf Momente, in denen man überraschenderweise Einflüsse von Modern Life Is War zu vernehmen mochte, folgte wieder diese Prollomanier in Stile von Teamkiller oder Final Prayer & Co. Nein, danke, denn das hätten To Kill eigentlich gar nicht nötig.

    Der "Ja, bitte, geht doch"-Gedanke schwirrte einem dafür aber des Öfteren bei Raised Fist durch den Kopf. Zum einen weil das Substage nun mittlerweile doch halbwegs gut besucht war und außerdem weil Raised Fist überraschend gut waren, hatten sich doch viele vorherige Show oft der klinisch trockenen Atmosphäre ihrer Songs angepasst. Doch dass es auch anders geht, bewiesen die Schweden heute tatsächlich, denn nicht umsonst stand die Show unter dem Motto "Fickt die Bude kaputt!". Zumindest sagste dies Sänger Alexander "Alle" Rajkovic in gutem Deutsch nicht nur einmal. Doch trotz heftigem Treiben auf der Bühne, hochrotem Geschrei des Frontmannes und extrem lauter Boxenbeschallung schwappte der Funke nie so wirklich über, wie man das von anderen Raised Fist Shows gewohnt war, in denen Publikum und Bühne verschmolzen und Menschen sich übereinander stapelten. Doch Raised Fist sahen es gelassen und zogen ihre Sache so konsequent durch, wie es sich für eine routinierte Hardcore-Band gehört. Dementsprechend schnell war dann allerdings auch mit dem aber trotz allem recht abwechselungsreichen Set Schluss, das sowohl einen Großteil an Songs von aktuellen Album "Sound Of The Republic" beinhaltete, nebenbei allerdings auch ältere und ganz alte Sachen berücksichtige. Kurz aber gut sozusagen. Das Ohrenpiepen am nächsten Tag hat sich also gelohnt.

    © written by christoph schwarze / www.christoph-schwarze.com
  • Erkenntnislehre

    Apr 4 2007, 2:47

    Fri 15 Dec – Between the Buried and Me, Darkest Hour

    Die spinnen, die Briten. Hatte dies so oder so ähnlich nicht sogar schon Obelix einmal erkannt!? Egal … jedenfalls ist es schon kurios, wenn offizielle Bahnangestellte nicht wissen, welcher und ob überhaupt ein Zug von London nach Oxford fährt. Und auch gewöhnungsbedürftig ist, wenn Engländer kurz vor 20 Uhr schon so voll sind, dass sie sich in einer Wegbeschreibung maximal ein “street … straight … hfdjdfg” rausquälen können und überhaupt wenn Konzerte schon 19 Uhr beginnen. Krank!

    Aber ehrlich gesagt ist letzteres eigentlich gar nicht einmal so tragisch, weil man so immerhin noch einen passenden Zug für den Heimweg erwischen könnte. Aber für naive Deutsche ist das natürlich nichts. Tja, blöd also, wenn sich dann beim Eintreffen kurz nach acht erschreckenderweise rausstellt, dass die Engländer das mit dem Beginn 19 Uhr wirklich ernst meinen. Wiedermal eines besseren belehrt wurden!

    Misery Signals war demzufolge längst passé und das Interview mit der Band dank Bahnpersonal und anderen Unfähigkeiten auch gestorben. Damn it! Und weil das alles noch nicht genug der Strafe war, standen auch schon Between the Buried and Me auf der Bühne, die genau zu unserem Kommen den wohl prägnantesten Part ihres Albums “Alaska” spielen: jene Minute 3:50 bis 5:20 von “Selkies: The Endless Obsession”. Eigentlich ein würdiger Empfang! Und wahrscheinlich auch der Höhepunkt des Sets, denn die restlichen 4 oder 5 Songs scheitern nicht unbedingt an der Verspieltheit der Band, sondern der kühlen Distanz und Zurückhaltung vor und auf der Bühne. Die Band verliert keine Worte und spielt sich in Trance, während das Publikum vor der gefühlsmäßig extrem hohen Bühne steht und sinnbildlich aufschaut, wie oben gefrickelt wird und dann plötzlich Sense ist. Ein kurzes “Thanks!” mag man noch vernommen haben in der Ferne.

    Völlig anders war danach das Bild bei Darkest Hour und irgendwie musste man wieder an Obelix denken: die spinnen! Wer dachte, das Pressure Festival sei von Prollos übervölkert oder Terror- und Hatebreed-Show würden die größten Volldeppen anziehen - falsch! Fast schämt man sich für Darkest Hour solche Fans zu haben, die in der Army-Vollausrüstung im Pit stehen, Tuch vorm Gesicht bis auf einen Seeschlitz, fiese Pose und dann aber mal völlig leer drehen. Karate als Leistungssport ist ein Scheißdreck dagegen. Und das war teilweise nicht mehr witzig. Pfui! Aber vielleicht ist man als Deutscher da eher etwas bedachter und emotionskonservativer, denn so wirklich machte sich keiner einen Kopf. Das Zodiac kurz vorm Abriss und die Band ballert auf der Bühne dazu alles raus. Gewohnt gut aufgelegt und auch gewohnt sauber ging es von der ersten Minute an mit “With A Thousand Words To Say But One” los. “Convalescence” folgte gleich im Anschluss und schon wurde es knapp mit der Luft im doch relativ kleinen Club. Gute Vorstellung der Band also, die zwischen den Großteil der aktuellen “Undoing Ruin”- Songs immer mal noch einen älteren Song zur Abwechslung einbaute. Doch auch Darkest Hour sollten leider keine halbe Ewigkeit spielen und so stand man ehe man sich versah schon wieder vor dem Club und das zu einer Zeit, bei der in Deutschland oftmals erst das Licht eingeschaltet wird. Die spinnen irgendwie, die Briten. Aber alles halb so wild, bleibt immerhin noch Zeit für das Bierchen danach.

    © written by christoph schwarze, photos by mark sapnik / www.christoph-schwarze.com
  • Angie vs. Metal

    Mar 30 2007, 2:28

    Sat 24 Mar – Bleeding Through, Caliban, All Shall Perish, I Killed the Prom Queen, Butterfly Coma

    Dunkel war es an diesem Abend wirklich über Europa. Und über Berlin speziell. Mächtig dunkel. Zum einen war halb Deutschland wieder wie blöd scharf auf Fußi mit Kuranyi uder die gefühlten anderen 30 Millionen versammelten sich kollektiv vorm Brandenburger Tor, um sich anzuhören wie Angie über europäische Verfassungen visioniert. Beides ist aber nach 15 Minuten hohl und langweilig. Also doch lieber wieder Metalkrach der Europa- und Kickerhysterie vorgezogen.

    Doch auch im Berliner SO 36 war es heute erst einmal nicht anders - nämlich ebenso voll und hysterisch. Und hohl irgendwie auch. Denn wenn man überpünktlich 20 Uhr, wie es die Karte vorschreibt, eintrifft und dann noch genau drei Songs von I Killed the Prom Queen sieht, dann hat wohl jemand das mit der Zeitumstellung an diesem Wochenende nicht ganz geblickt. Mehr als ärgerlich wieder einmal für die Band Butterfly Coma, die in einer halbleeren Halle spielte und dabei so tun musste, als würde sie dieser Umstand überhaupt nicht stören. Aber auch ärgerlich für die Leute, die sie verpassten. Zum Glück war das interkulturelle Publikum ein paar Kilometer Luftlinie entfernt, sonst hätten sie doch glatt das Klischee des stets organisatorisch-pünktlich korrekten Deutschen revidiert.

    Ebenfalls nochmal überdenken sollte man das Urteil über die Australier von I Killed The Prom Queen, denn über eine solide Leistung kamen die drei gehörten Lieder keineswegs hinaus. Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass ohnehin nur fünf Songs gespielt werden durften und der neue Sänger Colin Jeffs in seiner Rolle als Frontmann noch nicht richtig warm geworden ist. Zwar knüppelte das “Music For The Recently Deceased”-Eröffnungs-Dreiergespann aus “Sharks In Your Mouth”, “Say Goodbye” und “666″ auch live ordentlich, doch der Funke konnte bei einem derart kurzen Gastspiel nicht überspringen und schwupsdiwups sagten die Jungs dann wirklich goodbye.

    Fast hatte man schon Angst, wenn das bei den nächsten drei Bands in diesem atemberaubenden Tempo weitergehen sollte, dass man sich wirklich noch am Brandburger Tor Monrose oder Joe Cocker anschauen musste. Doch All Shall Perish sei Dank sollte daraus nichts mehr werden, denn wer nach diesem Auftritt noch lauffähig war, hat entweder das komplette Set auf dem Klo verbracht oder hatte einen großen Beschützer, wie diese kleinen Mädchen, die sich im wirklich übel abgehenden Pit aufgehalten haben, aber sobald sie auch nur berührt wurden, der beschützende Freund kam und epileptisch um sich schlug. Der brave Ritter. Aber ganz abgesehen davon war die Partystimmung wirklich berechtigt, denn “The Price Of Existence” in Liveform animierte nicht nur die schier tausendfachen Stagediver, sondern sorgte auch weit hinten für Kopfnicken. Spaß gab es trotz stressig-wummernder Hassmucke aber auch zur Genüge auf der Bühne, denn Sänger Eddie hatte Geburtstag, sein Neffe wurde geboren und sicher noch zig andere Glücksfälle, die ihn selbst zum Stagediven und wilden Rumwirbeln anstachelten. Witziger Höhepunkt waren dann die locker 15 weiblichen Fans beim Hand-in-Hand-Stagediven. Schön gemacht von denen. Und der Band sowieso.

    Bleeding Through hatten daraufhin leichtes Spiel in der Mischung aus noch bestehender Euphorie und gleichzeitiger Vorfreude auf Caliban. Selbstverständlich machte die Band wieder einen auf dicke Hose, aber im Gegensatz zu früheren Shows konnten sie diesmal überraschenderweise auch musikalisch überzeugen. Doch sieht man von dem Intro und einigen Zwischensequenzen einmal kurz ab, fragt man sich trotzdem immer noch, warum sie die Keyboarderin Marta Peterson eigentlich live dabei haben. Nichts gegen die junge Dame, aber ihr qualitativer Status reicht einfach nicht über das Gutaussehen hinaus, obwohl doch eigentlich musikalisch mit dem Tastengedrücke noch viel mehr rauszuholen wäre, aber stattdessen werden die elektronischen Spielereien einfach vom restlichen Krach übertönt. Schade. Aber angesichts der erheiterten Lage dürfte das so ziemlich jeden egal gewesen sein und das Publikum war ohnehin schon dreiviertelst fertig.

    Der finale Abschuss kam dann für viele, als Caliban nach dem Opener “I Rape Myself” und “In The Revenge” schon beim dritten Song zur mittlerweile vollkommen künstlich-gestellten wall of death aufriefen. Doch siehe da, auch beim 345345-mal machen wieder alle mit und “Stigmata” wird zum reinen Prügelsong. Glücklicherweise gab es aber mit einem erneuten Geburtstagsständchen für All-Shall-Perish-Eddie eine kurze Verschnaufpause und 20 Flaschen Wasser ins Publikum. Aber wirklich große Entspannungszeiten gab es trotzdem nicht, denn Sänger Andy Dörner verzichtete diesmal auf große Reden und auch viele Songs vom aktuellen “The Undying Darkness” und beschränkte sich mehr aufs Wesentliche. Und das waren diesmal viele härtere Songs und ein neuer, der aber - abgesehen davon, dass er instrumentaler klang - gar nicht einmal sonderlich herausstach. Ob das nun gut oder schlecht ist, dürfte dann “The Awakening” restlos aufklären. Fest steht allerdings jetzt schon, dass Caliban trotz all ihrer Für und Wieder immer noch ordentlich Dampf machen können. Einzig die cleanen Gesangsstimmen von Denis Schmidt gingen wieder einmal unter, aber das gehört ja mittlerweile genauso zur Band wie die wall of death und das Gefühl das komplette Set wäre ein einziger Breakdown. Wobei allerdings letzteres ja nicht zwangsläufig schlecht sein muss.

    © written by christoph schwarze / www.christoph-schwarze.com
  • Ganz in weiß

    Mar 23 2007, 16:20

    Wed 21 Mar – Polarkreis 18, Radar

    "Bass, Bass, wir brauchen Bass! Was geht’n Alter? Bass, Bass wir brauchen Bass!"

    Das dachte sich sicher auch die Vorband Radar an diesem Abend. Denn nachdem das Konzert nach gefühlten fünf Stunden des endlosen Wartens endlich einmal losging, regierte die Prämisse "je mehr umso besser". So stand man nun in der neuen Konzertkammer des Rosenkellers und wurde förmlich überrollt vom Bassbrummen. Und da das Gewölbe bis auf diesen kleinen Eingang keinerlei Zufluchtsmöglichkeiten bot und ohnehin schon relativ voll war, fühlte man sich erstmal schier erschlagen. Aber im Grunde soll‘s das auch schon gewesen sein mit Verwunderungen, denn nachdem nach zwei Songs die Soundprobleme bereinigt wurden, entpuppte sich die instrumentale Musik der Band als großes Sammelsurium von Postrock-Klängen, die aber in Sachen Dramaturgie, Spannung und schöne Melodien nicht allzu viel Gutes auffahren konnte. Zwar wird das Set gegen Ende etwas abwechslungsreicher, was aber auch nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass auf und vor der Bühne kühle Distanziertheit herrschte und das alles am Ende nicht mehr als einen Anstandsapplaus wert war. Schade drum.

    Mehr als bedauerlich war weiterhin, dass sich die Technikprobleme auch bei den Senkrechtstartern von Polarkreis 18 nicht legen sollten. Und so addierten sich zu den fünf Stunden vor Radar locker noch einmal gefühlte vier bevor die fünf Dresdner Jungspunde die Bühne betraten. Das Keyboard konnte glücklicherweise ausgetauscht werden, aber spätestens beim Ausfall der Akustikgitarre musste dann mit der Elektrischen improvisiert werden. Was im Übrigen gar nicht einmal so dumm war, denn ansonsten wäre der Pathosfaktor sicher nochmals um einiges höher ausgefallen. Also nichts gegen Klavierballaden als Zugabe oder seichten Indierop/rock à la "Chiropody". Im Gegenteil. Aber die Theatralik die Felix Räuber während seiner Show darbietet ist schon gewöhnungsbedürftig und sorgte beim Publikum für einige Verwirrungen. Aber auch das Gegenteil war der Fall - und das ist jetzt keine Story – denn so junge Kerle komplett in weiß gehüllt, konnte so mancher Mann (!) nicht verkraften und versuchte des öfteren den anderen jungen Mann am Mikro zu begrabschen. Kein Ei, stimmt wirklich. Aber die Band ließ sich von soviel Fan sein nicht aus der Ruhe bringen und auch das stetige Gerede und Getratsche ignorierten sie gekonnt. Nur kurz vor der Klavierzugabe hatte man das Gefühl der Sänger sei ziemlich genervt gewesen davon und schwieg anschließend einfach bis sich die Lautstärke im Publikum zumindest etwas legte. Zum Glück fiel dieser Umstand bei den restlichen Songs nicht sonderlich schwer ins Gewicht, denn die Hits wie "Crystal Lake" und "Dreamdancer" wurden energisch abgefeiert. Und auch beim finalen Soundgewichse wurde die Lautstärke mit schierem Noise-Abgang überboten. Sehr hübsch, denn gerade das zeigte noch einmal, dass Polarkreis 18 nicht unbedingt die süße Popband mit Drang zur orchestralen Anmutung ist, sondern vielmehr kniffige Soundtüfftler. Auch wenn der Kniff mit der Technik ihnen in Jena einen Strich durch die Rechnung machte. Auch schade drum.

    © written by christoph schwarze / www.christoph-schwarze.com
  • falsche Zurückhaltung

    Mar 6 2007, 15:17

    Sat 3 Mar – Callejón, War from a Harlots Mouth, Willschrey, N-Jected

    Da hat es der Veranstalter wohl etwas zu gut gemeint mit dem Heimspiel des Düsseldorfer Headliners Callejon. Zwar war das Stahlwerk recht gut besucht, aber die Lücken zwischendrin doch ziemlich groß. Und überhaupt stellte das Düsseldorfer Publikum an diesem Abend wieder einmal unter Beweis, warum es mit Sicherheit nie eine Metal-Hardcore-Hochburg hier geben wird. Durchgehende Reserviertheit war die ernüchternde Folge.

    So versuche auch N-Jected-Sänger Hubertus mit spitzen Ansagen die Leute vor der Bühne irgendwie in Bewegung zu versetzen, doch funktionierte dies nicht einmal bei seinen Schreiparts. Und dabei waren sowohl der Sound und auch die klaren Gesangslinien, die den Songs einen Touch von 36 Crazyfists verleihen, im Grunde in Ordnung. Vielleicht lag es aber auch daran, dass N-Jected mit 40 Minuten zu Beginn schon mit Abstand die längste Spielzeit hatten und für diese Zeit die Songs trotz variablen Gesangs relativ ähnlich und vorhersehbar daherkommen.

    Größe Überraschungen hatten dann dafür Willschrey parat, auch wenn diese sich erstmal auf die Bandmitglieder selbst bezogen. So war der Sänger mit seinem angebrochenen Arm ziemlich gehandicapt und zudem musste die Band auf den Gitarrist Nummer zwei verzichten. Doch davon ließ sich keiner beirren und die halbe Stunde bot einen abwechslungsreichen Querschnitt durch Neues und Altes. Doch trotz Sympathieoffensive zu melodischem Hardcore wurde der solide Auftritt, der zwar mit einem mäßigem Sound zu kämpfen hatte, nur mit dem honoriert was die Leute am besten konnten: rumstehen und maximal Szenenapplaus verteilen.

    Vielleicht war es deswegen gar nicht einmal so schlimm, wenn die nächste lokale Band Phatetic Illusions nicht auftreten konnte und stattdessen War from a Harlots Mouth aus Berlin spielten. Der Vorteil liegt ganz klar auf der Hand, denn War From A Harlots Mouth waren mit Abstand die härteste Band des Abends und wenn das jetzt mit der Bewegung im Publikum nichts werden sollte, dann ist wohl Hopfen und Malz verloren. Und siehe da, immerhin ein paar Typen, die denken sie wären es, rudern leicht hohl und ein bisschen übertrieben in der Mitte rum, während auf der Bühne gefrickelt und gebolzt wird. Als Bonus gibt es mit "Uptown Girl ... Uptown Girl ... I Had A Crush On You, Oh Uptown Girl" sogar noch so etwas wie einen Mitsinghit. Doch die Zeit drängt und mittlerweile waren es kaum noch 30 Minuten, die für die Show übrig blieben.

    Zudem müssen ja auch noch Callejon abgefeiert werden, die nach etlichen Querelen zum Heimspiel ansetzen dürfen, nachdem die letzte Tour gestrichen wurde. So ist es also auch nicht verwunderlich, dass sich nun doch langsam einmal das Publikum zu Wort meldet. Immerhin ist die Bühne auch mächtig groß, so dass auch dort ordentlich Gas gegeben werden kann. Zwar litt der Sound darunter etwas und auch die neuen Songs passten noch nicht so wie sie einmal werden sollten, aber immerhin wurde ordentlich rumgewuselt und einmal das komplette Album "Willkommen im Beerdigungscafé" runter gerockt. Zudem noch als Zugabe der alte Kracher "Astronaut". Fein. Und endlich merkt man auch mal, dass paar Leute anwesend waren.

    © written by christoph schwarze / www.christoph-schwarze.com
  • Zeitmanagement

    Feb 10 2007, 12:50

    [event=28560]Killswitch Engage, The Haunted, Bring Me The Horizon
    26. Januar 2007 - Chemnitz, Südbahnhof[/event]

    Mächtigst kalt war es. Und das nicht einmal zu knapp. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich gewesen, wenn der Andrang vor den noch geschlossenen Toren des Chemnitzer Südbahnhofs recht groß war. Alle wollten ein Plätzchen im etwas weniger kalten Vorraum haben. Und irgendwie wird es doch sogar etwas kuschelig eng und ein bisschen wärmer. Schön. Auch schön war übrigens, dass man gar nicht so lange auf die erste Band des Abends warten musste. Vielleicht dachten sich die Veranstalter ja, den Einheizer etwas vorzuziehen, damit dem armen Publikum nicht vollends etwas abfriert. Obwohl natürlich eher die Theorie wahrscheinlich ist, dass es sich hier um eine groß angelegte Tour handelt, auf der nichts dem Zufall überlassen wird und alles minutiöse durchgeplant ist. Ohnehin ging im Vorfeld schon einiges drunter und drüber.

    Des einen Leid ist des anderen Glück. So geschehen auch bei der Vergabe des Slots für die erste Vorband. Bei Bury Your Dead stieg der Sänger aus, die Europatour sollte angeblich dennoch mit Ersatz gespielt werden und am Ende stehen doch die jungen Engländer von Bring Me the Horizon auf dem Plan. Rein optisch haben die zwar ihren eigenen Stil noch nicht so ganz gefunden und auch die Mischung aus Deathmetal und Metalcore ist nicht die innovativste, aber durchaus sehr solide. Vor allem Sänger Oliver Sykes wirbelt ordentlich umher und begeistert mit durchaus beachtlichem Geschrei. So ist es auch nicht sonderlich verwunderlich, dass schon beim Opener einige ihre Arme kreisen lassen. Immerhin handelt es sich hierbei auch um die mit Abstand härteste Band des Abends. Doch neben reinem Krach gibt es mit “Tell Slater Not To Wash His Dick” auch Songs zu hören, die zeigen, dass Bring Me The Horizon etwas mehr Verspieltheit gar nicht einmal so schlecht steht. Doch zu mehr sollte es am heutigen Abend leider nicht reichen. Nicht wegen der Leistung, sondern wegen des Zeitplans.

    Eben jener Plan ruft danach The Haunted auf die Bühne. Und so recht weiß man nicht, was man als Fazit mitnehmen soll. Einerseits überraschen The Haunted live mit Vielseitigkeit, Abwechslung und breitgefächerter Setlist, die von direkten Thrash-Songs für die Helden der täglichen Malocher-Arbeit, über melodiöse Mitsing-Hymnen, hin zu verspielten Instrumentaleinlagen des aktuellen Albums “The Dead Eye” reicht. Andererseits springt der Funke nicht so recht über, da die Band, abgesehen von einigen wenigen Ansagen zwischen den Songs, sehr distanziert wirkt und zudem das relativ junge Publikum mit dieser Form des klassischen, melodischen Death Metal scheinbar nicht so viel anzufangen weiß. Das schmälert natürlich nicht die Leistung der Band, denn gerade die komplexen Stücke der aktuellen Veröffentlichung wissen zu überzeugen.

    Auch überzeugen tut der für den verletzten Adam Dutkiewicz eingesprungene Ex-Soilwork-Gitarrist Peter Wichers. Zwar kommt dieser mit seinen Einlagen nicht ganz an die Albernheiten des Killswitch Engage Stammgitarristen heran, sammelt aber dafür mit seinen nach hinten gegelten Haaren und Oberlippenbart wesentlich mehr Lässigkeitspunkte. Dem Publikum scheint dieser Wechsel völlig egal zu sein, denn Killswitch Engage werden so oder so abgefeiert, auch wenn die Halle als einige wenigen auf dieser Tour nicht ausverkauft ist. Seis drum. Kollektive Killswitch-Rufe ertönen trotzdem zwischen einigen Liedern und auch der sich kloppende Kreis in der Mitte wächst beachtlich an. Proportional dazu steigen auch die Lobeshymnen von Sänger Howard Jones an das Chemnitzer Publikum, dass sich in Sachen Textsicherheit zu allen gespielten Songs von “The End Of Heartache” und “As Daylight Dies” das Prädikat “sehr gut” verdient. Zur Belohnung gibt es wiederum witzige Einlagen der Roadies, Späße mit dem Dildokuchen an das Geburtstagskind der mitreisenden Mannschaft und sympathische Sprüche von Howard Jones. All das wirkt aber ein bisschen über die Tatsache hinweg, dass es soundtechnisch mit Sicherheit nicht der beste Tag von Killswitch Engage war. Das Schlagzeug bollerte zwar ordentlich und auch der Gesang konnte überzeugen, doch gerade die Feinheiten der verspielteren “My Curse” oder “The Arms Of Sorrow” des neuen Albums gingen etwas unter. Einiges gerettet hat dafür die obligatorische Zugabe “My Last Serenade”, auch wenn natürlich das Hauptaugenmerk der Setlist nicht auf jenen älteren Songs lag und nur ein Extrasong etwas dürftig ist. Aber das ist natürlich die Schuld des Zeitplans.

    © written by christoph schwarze / www.christoph-schwarze.com
  • Jahrespoll 2006

    Dic 2 2006, 23:27